Gschicht vo hie

Kraft tanken auf der Alp

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Kraft tanken auf der Alp

Die Familie Gross-Dell’Antonia verbringt die Sommer jeweils auf der Alp Nünenen im Berner Oberland. Wir haben die Älpler:innen besucht und erfahren, warum der Alpsommer nicht nur für die ganze Familie, sondern vor allem auch für ihre Tiere ein Gewinn ist.

Treffen vor imposanter Bergkulisse

Langsam verzieht sich der Sommerregen und die Wolken machen einzelnen warmen Sonnenstrahlen Platz. Der Himmel hoch über der Alp Nünenen sorgt für ein eindrückliches Naturspektakel: Durch die grauen Schleier schauen vereinzelt die Felsmassen des Gantrischgebirges hervor und lassen erahnen, welch imposante Bergkulisse sich vor einem auftürmen muss.

Seit 4:30 Uhr auf den Beinen

Die Alp Nünenen gehört zur Gemeinde Rüeggisberg im Berner Oberland und liegt auf 1’609 Metern über Meer. Sie ist im Besitz der Alpkorporation Nünenen und wird von Sarah und Davide und ihren Kindern bewirtschaftet. Die sechsköpfige Familie ist auch in diesem Jahr zusammen mit zwölf Kühen, 120 Rindern, vier Hühnern und ihrem Hund für 100 Tage auf die Alp gezogen. Im Sommer ist die Alphütte Chueberg ihr Zuhause. Schon seit 4:30 Uhr ist Sarah auf den Beinen. Doch von Müdigkeit keine Spur: Sie sitzt mit rosigen Backen am Holztisch in der einfachen, gemütlichen Stube und trinkt aus einer grossen Tasse ihren Znüni-Milchkaffee. "Die Tage auf der Alp sind lang, die Arbeit ist hart, aber ich erlebe die Zeit hier oben in der wunderschönen Natur als enorm erholsam. Als Familie tanken wir hier Kraft", erzählt Sarah.

Sommerresidenz: die Alphütte Chueberg

Sommerresidenz: die Alphütte Chueberg

Alpmilch ist besonders gehaltvoll.

Doch nicht nur für die Familie Gross-Dell’Antonia ist der Alpsommer ein Gewinn: Für die Tiere ist es wichtig, dass sie den Sommer auf der Alp verbringen. Denn so können die Landwirtinnen und Landwirte im Tal unten das Gras zu Heu verarbeiten, damit die Tiere auch im Winter genügend Futter haben. Die Kühe wiederum profitieren von den besonders nährstoffreichen Alpwiesen, auf denen würzige Kräuter wachsen: "Das Gras auf der Alp ist besonders gehaltvoll und versorgt die Tiere mit vielen gesunden Nährstoffen", erklärt Sarah. Das hat natürlich auch einen Einfluss auf den Geschmack und die gute Milchqualität.

Bewirtschaftung ist auch Landschaftsschutz.

Eine regelmässige Bewirtschaftung der Alpwiesen ist aber auch wegen des Landschaftsschutzes sehr wichtig. Würde man zwischendurch aussetzen, wären die Wiesen schon nach zwei Jahren voller "falscher" Gräser und Pflanzen, welche die Kühe nicht fressen, z. B. Sauerampfern oder Binsengewächse. Auch würden im Nu unzählige Tannentriebe aus der Erde spriessen. So aber bleiben die Wiesen gepflegt und saftig grün und tragen zum einmaligen Landschaftsbild bei.

Sarah und Tochter Ada beim Zäunen

Sarah und Tochter Ada beim Zäunen

Verkäsung vor Ort – dank mobiler Käserei

Bei der Familie Gross-Dell’Antonia hat jeder seine Aufgaben, die je nach Alter und Interesse verteilt sind. Vater Davide ist in erster Linie fürs Käsen zuständig. Das Verkäsen der Milch findet in einer mobilen Container-Käserei statt. Dank dieser innovativen, mobilen Container-Käserei der Firma Monalp kann die hochwertige Alpmilch direkt vor Ort verarbeitet werden – eine geniale Erfindung, die sich sehr bewährt. Von aussen sieht die mobile Käserei aus wie ein einfacher Container. Im Innern beherbergt sie jedoch alles, was ein erfahrener Käser braucht, um aus frischer Alpmilch würzigen Alpkäse herzustellen. "Die mobile Container-Käserei ist auch meine persönliche Bio-Sauna, weil es da drin so schön warm und feucht ist", scherzt Davide.

Einblick in die Container-Käserei

Einblick in die Container-Käserei

Alpkäse aus der Pop-up-Käserei

Familie Gross-Dell’Antonia nutzt die möbile Käserei von Aileen und Lloyd Zumstein. Die Geschwister hatten vor ein paar Jahren die geniale Idee: Warum nicht die Käserei an den Ort bringen, wo die Milch gemolken wird – also in dem Fall auf die Alp?

Mehr zu mobilen Käserei erfahren

Vater Davide im Natursteinkeller

Vater Davide im Natursteinkeller

Vom Natursteinkeller ins Risotto

Die Reifung des Käses findet gleich nebenan im Natursteinkeller statt. "Die fast sechs Kilo schweren Laibe müssen täglich gewendet und mit Salzlake eingeschmiert werden", erklärt Davide, während er mit seinen grossen, kräftigen Händen gleich drei Laibe aufs Mal aus dem Holzregal hievt und die Rinden mit routinierten Bewegungen abwäscht.

Später werden wir Gelegenheit haben, seinen köstlichen Alpkäse zu probieren, wenn uns Marie, die 15-jährige Tochter von Sarah und Davide, zum Mittagessen einen sämigen Risotto mit viel Käse auftischen wird. Marie ist fürs Kochen zuständig. "Kochen war schon immer meine Leidenschaft", erzählt das Mädchen, "darum möchte ich nächstes Jahr auch eine Kochlehre beginnen." Sie kocht zweimal am Tag für die ganze Familie und hilft zudem beim Stallputzen kräftig mit.

Wir alle sind auf der Alp ruhiger und ausgeglichener.

Sarah, Älplerin

Die Zeit auf der Alp schweisst zusammen.

Für die älteste Tochter Ada gibt es nichts Schöneres, als mit den Tieren zu arbeiten. Sie begleitet ihre Mutter von früh morgens bis abends spät auf Schritt und Tritt und profitiert so von deren reichem Erfahrungsschatz. Denn Sarah zieht schon seit vielen Jahren Sommer für Sommer auf die Alp. "Als ich vor 26 Jahren zum ersten Mal auf eine Alp kam, zog es mir sofort den Ärmel rein und ich wusste, das ist mein Ding. Hier oben auf der Alp brauche ich keinen Terminkalender, das entspannt mich enorm. Wir alle sind auf der Alp ruhiger und ausgeglichener. Die Arbeit mit den Tieren und das einfache Leben in dieser wunderschönen Natur erfüllen uns mit einer tiefen Zufriedenheit. Die 100 Tage auf der Alp schweissen uns als Familie zusammen", erzählt die Älplerin.

Entspannte Familienmomente auf der Alp
Entspannte Familienmomente auf der Alp

Besucher:innen sind herzlich willkommen.

Marie muss heute die doppelte Menge Risotto kochen, denn nicht nur wir vom Family-Magazin sind bei der sechsköpfigen Familie zu Besuch, auch ein junges Bauernpaar aus dem Kanton Obwalden hat sich angemeldet. Denn Besucher:innen sind auf der Alp Nünenen jederzeit herzlich willkommen! Den jungen Landwirtinnen und Landwirten gehört das Braunvieh, das bei Sarah schon zum zweiten Mal den Sommer auf der Alp verbringen darf. Die beiden hatten Sehnsucht nach ihren Tieren und wollten sie besuchen. Es freut sie zu sehen, dass es ihren geliebten Kühen auf der Alp Nünenen gut geht. Bevor die beiden wieder aufbrechen, richten sie zum Abschied an jede Kuh ein paar nette Worte und kraulen die Tiere zwischen den Hörnern.

Täglicher Programmpunkt: die Kuh- und Rinderzählung

Die Mittagspause auf der Alp dauert bis etwa 14 Uhr. Dann stehen diverse Arbeiten an – vom Verpacken des Käses bis zum Aufstellen von Zäunen. Der achtjährige Vivian geht derweil Vater Davide beim Reparieren des alten Aebi-Traktors zur Hand. Tagsüber sind die Rinder meistens im Stall, da es im Sommer auf der Wiese oft zu heiss ist. Am Nachmittag gehen sie auf die Weide, dann wird der Stall geputzt. Die Tiere bleiben über Nacht auf der Weide und kommen nur am Abend kurz zurück, um gemolken zu werden.

Ada und Sarah zählen täglich jedes einzelne Tier, um sicher zu gehen, dass keines fehlt. Die beiden Frauen kennen jede Kuh und jedes Rind mit Namen. "Zeraina ist mein Lieblingsrind. Es kommt immer zu mir, wenn es mich sieht, und läuft mir nach wie ein Hündchen", erzählt Ada. Dann setzt sie sich neben Zeraina ins Gras, umarmt das Rind mit seinem schönen Fleckenmuster und redet mit sanfter Stimme auf das Tier ein – die Zuneigung scheint ganz auf Gegenseitigkeit zu beruhen.

Am liebsten immer in Tiernähe: Ada bei der Arbeit
Am liebsten immer in Tiernähe: Ada bei der Arbeit

Käsealpen besuchen und erleben

Wer selbst einmal eine Alp besuchen und sehen möchte, wo Alpkäse hergestellt wird, findet hier ein Verzeichnis von 874 Betrieben in der ganzen Schweiz. Ein herrlicher Ausflug mit der ganzen Familie und eine Reise zu einem ganz besonderen Produkt.