Ernährung

Zwölf Milch-Mythen – und was wirklich wahr ist.

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Zwölf Milch-Mythen – und was wirklich wahr ist.

Verursacht Milch Osteoporose, macht sie "Bibeli"? Solche Fragen werden mir als ausgebildeter Ernährungsberaterin immer wieder gestellt. Hier beantworte ich die zwölf häufigsten Fragen rund um Milch.

Milch: Was stimmt? Was nicht?

Die Flut an Informationen zu Ernährungs- und Gesundheitsthemen ist enorm. Vielleicht hast du auch schon mal etwas gehört, dann im Internet recherchiert – und warst am Ende verwirrter als vorher. Mir werden immer wieder Fragen zum Milchkonsum gestellt. Deshalb habe ich das Ganze gebündelt und möchte euch hier die zwölf meist gestellten Fragen zum Thema beantworten, inklusive Quellenangaben. Ich hoffe, meine Antworten und weiterführende Links bringen Licht ins Dunkel der Milch-Mythen-Welt.

1.Ist der Mensch die einzige Spezies, welche die Milch einer anderen trinkt?

Der Zugang zu Nahrungsmitteln wird durch die Fähigkeit und Intelligenz jeder Spezies bestimmt. Lebewesen suchen instinktiv nach nahrhaftem Futter, um nicht zu verhungern. Der Mensch ist die einzige Spezies, die das Zubereiten und Kochen von Mahlzeiten und Lebensmitteln beherrscht. Tiere haben nicht die Fähigkeit andere Tiere zu melken. Haben sie aber Zugang zu Milch, so konsumieren sie diese.

2.Machen Milch und Milchprodukte dick?

Isst du mehr Kalorien, als du verbrauchst, nimmst du zu. Logisch. Die nationale Ernährungsempfehlung für gesunde Erwachsene entspricht einer Standardernährung mit 2000kcal und deckt alle Nährstoffe in der nötigen Menge ab. Dabei werden mindestens drei Portionen Milch und Milchprodukte täglich empfohlen. Werden die Empfehlungen eingehalten und die konsumierte Energie überschreitet nicht den tatsächlichen Bedarf, entsteht kein Übergewicht. Kein einzelnes Lebensmittel innerhalb einer ausgewogenen Ernährung ist für das Übergewicht verantwortlich.

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3.Versorgen mich andere Lebensmittel besser mit Kalzium als Milch?

Der tägliche Kalziumbedarf eines gesunden erwachsenen Menschen liegt bei 1000 mg. Tatsächlich gibt es Nahrungsmittel, die pro 100 g mehr Kalzium enthalten als Milch. Jedoch werden Grünpflanzen, Nüsse, Samen und Algenprodukte häufig nicht täglich und in ausreichender Menge konsumiert. Jedenfalls von mir nicht. Zudem enthält Milch weitere Nährstoffe wie Zitronensäure, Milchsäure und Vitamin D, welche die Kalziumaufnahme fördern. Es ist erwiesen, dass Kalzium aus der Milch besser aufgenommen wird als aus anderen Lebensmitteln.

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4.Muss ich bei einer Laktoseintoleranz auf Milchprodukte verzichten?

Eine Laktoseintoleranz entsteht durch einen Rückgang der Produktion des Enzyms Laktase im Dünndarm. Nicht alle Milchprodukte enthalten Laktose. Gereifte Käse sind problemlos verträglich, da bei der Fermentation der Milchzucker abgebaut wird. Das gilt auch für Fondue- und Raclettekäse. Zusätzlich gibt es im Detailhandel zahlreiche laktosefreie Varianten von  Milch und Milchprodukten. Generell ist der Verzicht auf ein Grundnahrungsmittel keine gute Idee, die Folge könnten Nährstoffdefizite sein. Bei Verdauungsproblemen lässt man sich am  besten von einer Ernährungsberaterin / einem Ernährungsberater SVDE beraten.

Laktoseintoleranz

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5.Sind Pflanzendrinks ebenso nahrhaft wie Milch?

Die Nährstoffzusammensetzung der Milch ist von Natur aus perfekt. Die Inhalte sind mengenmässig so aufeinander abgestimmt, dass sie sich gegenseitig ergänzen. Weder Reis noch Hafer sind von Natur aus als Baustoffe konzipiert. Ihre Stellung ist eine andere: Getreide enthält Stärke, die als Energiequelle für die Muskeltätigkeit dient. Milch hingegen liefert Eiweiss und  Kalzium, Vitamine und Fette für den Aufbau von Körpersubstanz wie Muskulatur und Knochengewebe.

Laktoseintoleranz

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Die Milch bleibt einzigartig.

Nadia (Ernährungsberaterin)

6.Erhöhen Milch und Milchprodukte die Gefahr eines Herzinfarkts?

Milch und Milchprodukte sollen wegen ihres Gehalts an gesättigten Fettsäuren, Cholesterin und tierischem Eiweiss das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Studien zeigen jedoch oft keinen Einfluss oder das Gegenteil. Besonders eindrucksvoll finde ich, dass mit steigendem Konsum von Milchfett das Risiko für Herzinfarkt und Herz-Kreislauf-Erkrankungen signifikant sinken kann.

Fett & Cholesterin

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7.Bekomme ich wegen Milch Osteoporose?

Zahlreiche Studien belegen eine positive Wirkung von Milch und Milchprodukten auf die Knochengesundheit (Knochenaufbau und Knochenfestigkeit) – von der Kindheit über das junge Erwachsenenalter bis hin zum Knochenerhalt im Alter. Der günstige Effekt auf die Knochenmineraldichte wird dem hochwertigen Eiweiss, Kalzium, Phosphor und Vitamin D in der Milch zugeschrieben. Diese Nährstoffkombination sorgt dafür, dass das Kalzium aus der Milch im Vergleich zu dem aus anderen Lebensmitteln besser vom Körper aufgenommen werden kann.

Osteoporose

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8.Mein Kind hat eine Milcheiweissallergie. Ist Milch nun für immer tabu?

Bei der Milcheiweissallergie handelt es sich um eine immunologische Reaktion auf Proteine in der Milch. Sie kommt aber fast ausschliesslich bei Säuglingen und Kleinkindern vor. Konnte eine Milcheiweissallergie mit einem Allergietest eindeutig nachgewiesen werden, ist eine Ernährungstherapie notwendig. Geh doch zu einem/einer Ernährungsberater/-in SVDE (Schweizerischer Verband der Ernährungsberater/innen).

Familie

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9.Fördert der Konsum von Milch die Entstehung von Krebs?

Krebs wird sowohl von beeinflussbaren (wie Tabak- und Alkoholkonsum, Ernährung, körperliche Inaktivität, zu viel Körperfettmasse und UV-Strahlung) als auch nicht beeinflussbaren (wie Chemikalien oder Toxine, die durch Bakterien und Pilze gebildet werden oder bei der Zubereitung von Lebensmitteln entstehen) Faktoren ausgelöst. Grosse wissenschaftliche Analysen zeigen keinen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Milch und Milchprodukten und dem Auftreten von verschiedenen Krebsarten. Einige Inhaltsstoffe der Milch (Kalzium, Fett und Eiweissbestandteile) besitzen sogar gewisse Schutzeffekte.

10.Verschleimen Milch und Milchprodukte die Atemwege?

Weder bei gesunden Menschen noch bei Menschen mit Atemwegsinfekten oder Asthma führt das Milchtrinken zu einer Schleimabsonderung. Wissenschaftliche Untersuchungen widerlegen die Verschleimungstheorie und zeigen eindrücklich, dass das "Gefühl der Verschleimung" nicht auf Eigenschaften der Milch zurückzuführen ist. Sämtliche bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen konnten der Milch keine solche Wirkung nachweisen.

Es ist unwahrscheinlich, dass ein einzelnes Lebensmittel Hauterkrankungen auslöst.

Nadia (Ernährungsberaterin)

11.Bekomme ich vom Milchkonsum Akne und Ekzeme?

Akne tritt normalerweise in der Pubertät auf und kann durch Hormonschwankungen verursacht werden. Hautkrankheiten entstehen hauptsächlich aus einem Defekt der Hautbarriere und  können verschiedene Ursachen haben, wie z.B. Genetik, Immunfunktion, Hormone und Umwelteinflüsse. Milch enthält Nährstoffe wie Vitamin B2 und Jod, die eine wichtige Rolle für die normale Hautgesundheit spielen. Zum heutigen Zeitpunkt gibt es zum Konsum von Milch und Milchprodukten und dem Auftreten von Hautkrankheiten keine aussagekräftigen Untersuchungen.

12.Enthält Milch Antibiotika-Rückstände?

Auch Milchkühe können Entzündungen und Krankheiten haben, die behandelt werden müssen. In diesen Fällen setzt der Tierarzt nur zugelassene Medikamente ein, wobei der Milchproduzent dies dokumentieren muss. Diese Milch darf nicht zu weiteren Milchprodukten verarbeitet werden, weder zu Konsummilch noch zu Käse, Joghurt, Rahm oder Butter etc. Um das zu garantieren, wird 100% der auf dem Hof abgeholten Milch kontrolliert. Die Produktion von Kuhmilch ist in der Schweiz umfassend geregelt und untersteht strikten Vorschriften und Kontrollen. Die selten festgestellten Verstösse werden streng bestraft. Es wird alles dafür getan, dass Schweizer Milch frei von Medikamentenrückständen ist.

Unsere Kühe

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Broschüre "Ist Milch schädlich oder sind das alles nur Mythen?"