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Zero Waste: viel Impact durch weniger Abfall

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Zero Waste: viel Impact durch weniger Abfall

Im Schnitt produziert jede Schweizerin und jeder Schweizer gut 700 Kilo Abfall im Jahr. Dabei liesse sich der eine oder andere Abfallsack ganz einfach sparen. Zero Waste ist schwierig, aber Less Waste kann jede:r. Wir zeigen, wies funktioniert.

Zero Waste: einfache Tipps für weniger Abfall

Familie Johnson braucht keinen Abfalleimer. Was sie wegwirft, hat Platz in einem Einmachglas. Das gilt nicht etwa pro Tag, sondern pro Jahr. Seit über einem Jahrzehnt praktiziert die vierköpfige Familie das Prinzip "Zero Waste". Das heisst, sie lebt nach dem Motto: verzichten, reduzieren, wiederverwenden, recyceln und kompostieren. Die Mutter, Béa Johnson, gilt als Gründerin der "Zero Waste"-Bewegung.

Familie Johnson ist natürlich ein Extrembeispiel. So wenig Abfall zu produzieren, schaffen die wenigsten. Reduzieren hingegen können alle. So hat die Bewegung auch in der Schweiz Fuss gefasst: Der Verein Zero Waste Switzerland verzeichnet rund 150 Firmen, Organisationen und Gemeinden, die sich für den Zweck engagieren. Mit dabei sind auch viele "Unverpackt"-Läden, in denen Lebensmittel und Hygieneprodukte verpackungsfrei verkauft werden.

Im Zero-Waste-Laden "Foifi" gibts Joghurt im Glas und Butter in Alufolie.

Im Zero-Waste-Laden "Foifi" gibts Joghurt im Glas und Butter in Alufolie.

Das Joghurt kommt im Glas.

Einkaufen ohne Verpackung geht in Zürich etwa im "Foifi", dem Laden von Tara Welschinger. Die 47-Jährige kommt pro Jahr mit einem 12-Liter-Abfallsack aus. Vieles, was den Abfalleimer füllt, kommt gar nicht erst in ihre Wohnung und auch nicht in ihren Laden: Müesliverpackungen, Kaffeekapseln, Quarkbecher, Zahnpastatuben, Abschminkwatte.

Sie sagt: "Es geht nicht nur darum, wenig Abfall zu produzieren, sondern auch darum, nichts zu verschwenden." Auf Einweg-Verpackungen wird in ihrem Laden, so gut es geht, verzichtet. Das Shampoo hat eine feste Form, die Gummibärli werden direkt ins mitgebrachte Säckli geschöpft, das Joghurt kommt im Glas, die Butter in Alufolie. Bei Milchprodukten sind die Hygienevorschriften streng – dennoch braucht es kein Plastik.

Bei uns können die Leute genau so viel einkaufen, wie sie brauchen.

Tara Welschinger, Ladeninhaberin

Weniger Food Waste

Bei Zero Waste geht es aber nicht nur um die Verpackung, sondern auch um die Menge. "Bei uns können die Leute genau so viel einkaufen, wie sie brauchen." Das ist möglich, weil Tara Welschinger fast alles im Offenverkauf anbietet. Benötigt man für ein Rezept nur zwei Teelöffel Kurkuma oder genau 80 Gramm Linsen, wird man im "Foifi" fündig. Das hilft, vorige Portionen zu vermeiden.

Die Kundinnen und Kunden kommen in der Regel auch gut vorbereitet: mit eigenen Tupperware, Gläschen, Wachstüchern und Stoffbeuteln. Wer nichts dabei hat, kann im Laden Konservengläser kaufen. Die Behälter legt man auf die Waage, bevor man sie füllt und zieht deren Eigengewicht danach ab. Getreide und Kaffee mahlt man selbst. "Bei uns müssen die Kundinnen und Kunden noch arbeiten", sagt Welschinger lachend.

Das verpackungsarme Sortiment reicht von Abwaschmittel bis Zimt.
Das verpackungsarme Sortiment reicht von Abwaschmittel bis Zimt.

Die "Milchkuh" steht mitten in Zürich.

Bei tierischen Produkten gestaltet sich der Offenverkauf schwieriger. Da gelten zu Recht strenge Hygienevorschriften. Joghurt, Quark, Milch oder auch Glace werden in Bechern und Flaschen aus Glas verkauft. Ein Milchautomat zum Selberabfüllen hingegen steht im "Bachsermärt " in der Zürcher Kalkbreite. Die Düse füllt die mitgebrachte Flasche auf Knopfdruck – von Kleinstmengen für den Milchkaffee bis hin zum Wochenbedarf. Die Milch kommt aus der Region und wird in wiederverwendbaren 25-Liter-Kannen geliefert. "2021 haben wir über unsere 'Milchkuh' fast 4'000 Liter Milch verkauft", sagt Filialleiterin Pilar Rodriguez. Viele davon an Eltern, die ihren Kindern einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln und Abfall vermitteln wollen. Sie zeigt uns, wie der Milchautomat funktioniert: Knopf drücken, Glasflasche zuschrauben, fertig. Auch Süssmost können die Kundinnen und Kunden selbst abfüllen.

Standortkarte: Finde weitere Milchautomaten in deiner Nähe.

Wie schmeckt die Milch aus dem Automaten? Wir haben es getestet.

Filialleiterin Pilar Rodriguez erklärt Milchautomat und Süssmostspender.
Filialleiterin Pilar Rodriguez erklärt Milchautomat und Süssmostspender.

Kniffe für den Alltag

Um den eigenen Abfalleimer zu entlasten, braucht es keinen Unverpackt-Laden in der Nähe. Schon kleine Veränderungen im Einkaufsverhalten bewirken etwas. Der Bäcker um die Ecke zum Beispiel wird kein Problem damit haben, das Brot direkt in den mitgebrachten Stoffbeutel zu packen. Und schon wurde ein Papiersäckli weniger verbraucht. Der Käse von der Käsetheke kann direkt in den eigenen Behälter oder Früchte und Gemüse können auch lose in den Einkaufskorb. Auch Grossverteiler wie Migros und Coop haben das Bedürfnis erkannt. Sie bieten Müesli, Pasta, Hülsenfrüchte oder Nüsse immer häufiger auch im Offenverkauf an.

Auch im "Bachsermärt " wird der eigene Abfallkübel entlastet.

Auch im "Bachsermärt " wird der eigene Abfallkübel entlastet.

Viel Aufwand für Läden

Welschinger ist überzeugt: "Durch 'Unverpackt'-Einkäufe können Konsumentinnen und Konsumenten viel Geld sparen – unter anderem, weil man bewusster einkauft und nur noch die Menge, die man wirklich benötigt." Für sie als Ladeninhaberin ist die Rechnung etwas komplizierter: Denn Verpackung bietet auch Schutz vor Schädlingen und Licht. Kaffee, Tee oder Gewürze etwa verlieren schnell an Aroma. Ob die unverpackten Lebensmittel halten, kommt daher immer auch auf den Umlauf im Laden sowie die Temperaturen an. Kühlregale, Transport, Zeit für Rücknahmen, Reinigung und Wiederauffüllen – alles Faktoren, die die Ökobilanz und Marge beeinflussen.

Enger Kontakt zu Lieferantinnen und Lieferanten

Auch die Situation seitens Lieferanten sei schwierig. Zu praktisch sind Einwegverpackungen und Kunststoffe. Welschinger steht mit vielen Produzenten und Lieferanten in engem Kontakt und hat mit einigen schon Mehrweglösungen erarbeitet. "Ich leiste sehr viel Ab- und Aufklärungsarbeit – nicht nur was die ökologische, sondern auch die soziale Nachhaltigkeit der Produkte angeht", sagt sie. Bauern sollen fair bezahlt werden, Zwischenhändler wo möglich vermieden. "Wir tragen alle eine Verantwortung – für die Landwirtschaft und unseren Planeten."

Du möchtest deine Milchprodukte selber herstellen?

Um Joghurtbecher und andere Verpackungen zu reduzieren, kannst du deine Milchprodukte auch selbst machen.

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Tipps für den verpackungsarmen Einkauf:

  1. Allzeit bereit
    Wer immer ein, zwei Stoffbeutel dabei hat, kann auch spontan einkaufen gehen.

  2. Vorbereitung
    Grössere Einkäufe brauchen Planung. Gemüsenetzli, Stoffbeutel und Wachstücher sind leicht und brauchen nicht viel Platz. Tupperware, Gläser und Trinkflaschen sind auch nützlich.

  3. Besteck
    Zero-Waste-Profis haben immer einen Löffel oder eine Gabel dabei. Zum Beispiel für das spontane Glacé aus dem Glasbecher.

  4. Recherche
    Gibt es in der Nähe einen Laden, der unverpackte Produkte anbietet? Finde es heraus im Verzeichnis von Zero Waste Switzerland.

  5. Umdenken
    Müssen Äpfel und Zucchetti wirklich je in ein separates Plastiksäckli? Oder geht es vielleicht auch ganz ohne? Braucht der Take-Away-Kaffee wirklich einen Deckel oder lohnt es sich sogar, einen Mehrwegbecher zu kaufen?