Treibhausgase auf dem Milchviehbetrieb

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Umwelt

Treibhausgase auf dem Milchviehbetrieb

Auf einem Milchviehbetrieb entstehen Treibhausgase. Klar. Doch wie steht es genau um die Klimawirkung von Milch? Was ist der Kohlenstoffkreislauf und ist die Haltung von Kühen im Grasland Schweiz sinnvoll? Die Antworten gibts hier.

Kurz zusammengefasst

  • Die Schweizer Milchkühe sind mit ihren Methanemissionen für 5,2% CO2-Äquivalente verantwortlich (Stand 2024).
  • Das von der Kuh produzierte Methan entsteht bei der Verdauung und ist Teil eines natürlichen Prozesses.
  • Das Methan baut sich nach einigen Jahren in CO2 Dieser Prozess gehört zum Kohlenstoffkreislauf.
  • Grasland kann Kohlenstoff binden. Je besser der Boden den Kohlenstoff bindet, desto weniger CO2 hat es in der Atmosphäre.
  • Schweizer Milchproduzentinnen und -produzenten setzen sich dafür ein, ihre Produktion noch nachhaltiger zu gestalten.

Treibhausgase in der Milchproduktion

Überall dort, wo produziert wird, entstehen Treibhausgase. Auch bei der Milchproduktion. Dieser CO2-Ausstoss sollte immer in Bezug zum erzeugten Produkt betrachtet werden: Bei Milch handelt es sich um ein Nahrungsmittel, für das hauptsächlich unverdauliche Ressourcen wie Gras und Nebenprodukte in für den Menschen hochwertige Nährstoffe umwandelt werden. Milch enthält wichtige Nährstoffe wie Proteine sowie Calcium und 2-3 Portionen Milch und Milchprodukte täglich sind offiziell für eine gesunde Ernährung empfohlen.

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Wie entstehen Treibhausgase auf dem Milchviehbetrieb?

Um die Emissionen auf Betriebsebene zu berechnen, werden vier Bereiche berücksichtigt:

  1. die Verdauung der Kuh
  2. das Hofdüngermanagement
  3. die Futterproduktion
  4. der Stromverbrauch

Unsere Grafik zeigt dir, in welchem Bereich wie viele Emissionen entstehen und wie der CO₂-Ausstoss reduziert werden kann.

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Emissionsbereiche im Milchbetrieb

  1. Verdauung der Kuh

    Wie jedes Lebewesen stösst auch die Kuh Treibhausgase aus. Neben CO2 bei der Atmung entsteht bei Wiederkäuern während der Verdauung das Treibhausgas Methan (CH4). Dank Bakterien und Mikroben, die in ihrem Pansen leben, kann die Kuh Gras verwerten. Die Pansenbewohner brechen die Zellwände auf und wandeln sie in Energie um. Bei diesem Prozess entsteht Methan als Abfallprodukt, das die Kuh wieder ausrülpst. Dieses Methan stammt aus einer biogenen Quelle, hat also einen biologischen Ursprung und ist Teil des natürlichen Kohlenstoffkreislaufs. Vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) – dem wissenschaftlichen Gremium der Vereinten Nationen, das sich mit dem Klimawandel befasst – wird es als menschengemachtes Treibhausgas bewertet, da der Mensch durch die landwirtschaftliche Nutztierhaltung in die natürlichen Kreisläufe eingreift.

  2. Hofdüngermanagement

    Methan entsteht auch bei der Lagerung von Hofdünger, also bei Zersetzungsprozessen im Kot. Dabei entstehen die klimarelevanten Gase Lachgas (N2O) und Ammoniak (NH3) bei Zersetzungsprozessen in der Gülle.

  3. Futterproduktion

    Auch bei der Produktion von Futter sowie im Ackerbau allgemein entstehen Treibhausgase. Bei der Bearbeitung des Bodens, dem Einsatz von Maschinen und dem Transport wird CO2 ausgestossen. Zudem kann bei der Bodenbewirtschaftung und der Düngung Lachgas entstehen.

  4. Stromverbrauch

    CO2 entsteht durch den Verbrauch von Strom, der für den Betrieb von technischen Anlagen verwendet wird.

Nachhaltigkeit in der Schweizer Milchproduktion

In der Schweiz ist der Treibhausgasausstoss pro Liter Milch im internationalen Vergleich bereits niedrig. Ein Grund dafür: die hohe Qualität des Grases, die eine optimale Fütterung der Tiere ermöglicht. Zudem setzen sich Schweizer Milchproduzentinnen und -produzenten dafür ein, ihre Produktion weiter zu optimieren und nachhaltiger zu gestalten.

So wird die Landwirtschaft noch klimafreundlicher.

Mit diesen Massnahmen können Landwirtinnen und Landwirte den Treibhausgas-Ausstoss weiter verringern:

  • Durch Optimierungen in der Tiergesundheit, z. B. durch den Einsatz von Sensoren, die Erkrankungen bereits vor dem Ausbruch erkennen und den Landwirtinnen und Landwirten erlauben, sofort einzugreifen. So wird weniger Methan pro Liter Milch produziert.
  • Im Hofdüngermanagement durch den Einsatz von Gülleabdeckungen und durch das Abführen des Düngers in eine Biogasanlage, in der Methan für die Energiegewinnung genutzt wird.
  • Mit einer noch genaueren Fütterung durch exaktere Rationsberechnungen, die einen noch effizienteren Einsatz von Futtermittel erlauben, den Einsatz von methansenkenden Futterzusätzen sowie die Nutzung von hofeigenem Futter mit kurzen Transportwegen.
  • Ausserdem kann auch die Nutzung von Ökostrom aus erneuerbaren Ressourcen einen Beitrag zu Senkung von CO2

Klimarechner: Tool für mehr Nachhaltigkeit

Um die Milchviehhaltung noch nachhaltiger zu gestalten, helfen Klimarechner dabei, die Emissionen eines Betriebs genau zu erfassen. So erhalten Milchproduzentinnen und -produzenten wertvolle Informationen, welche Massnahmen besonders wirksam sind, um die Produktion weiter zu optimieren und Emissionen zu reduzieren.

Unser Grasland: ein guter Kohlenstoffspeicher

Eine nicht zu vergessende Ressource für eine nachhaltige Produktion in der Schweiz ist das Grasland, denn dieses bindet Kohlenstoff. In der Schweiz sind 80% der landwirtschaftlich genutzten Flächen Grasland.

Eine wichtige Funktion der Grasflächen ist die Speicherung von Kohlenstoff. Der Kohlenstoff kommt durch die Wurzeln der Pflanze in den Boden und wird dort gebunden. Dauergrünland und Alpweiden sind sehr wichtig für die Kohlenstoffbindung, da der Boden hier nicht bearbeitet wird. Wird der Boden nämlich bearbeitet, kann dadurch weniger Kohlenstoff gebunden werden. Auch Kunstwiesen, die bei Ackerfläche in die Fruchtfolge integriert werden, können die Aufnahme von Kohlenstoff im Boden begünstigen.

Der Kohlenstoffkreislauf am Beispiel der Kuh.

Was ist der Kohlenstoffkreislauf?

Kohlenstoff (C) ist in jedem Lebewesen vorhanden und kommt in verschiedenen chemischen Verbindungen vor, z. B. als CO₂. Diese Verbindungen werden stetig umgewandelt und ausgetauscht, z. B. in der Luft, in Lebewesen oder im Boden. Dieser Prozess nennt sich Kohlenstoffkreislauf.

Auf die Kuh angewendet, sieht der Kreislauf folgendermassen aus: Während der Photosynthese wandeln Pflanzen CO₂ um und binden Kohlenstoff (C) in der Pflanze. Dieses C-Atom wird beim Beweiden der Pflanze durch die Kuh aufgenommen und als Methan (CH4) wieder ausgestossen. Dieses gelangt in die Atmosphäre und zerfällt zu CO₂.

Video: Kohlenstoffkreislauf kurz erklärt

Schweizer Kühe und der Kohlenstoffkreislauf | Swissmilk erklärt | Swissmilk (2021)

CO₂-Emissionen im Alltag

Bei der Bewertung von Emissionen aus der Landwirtschaft ist der Kontext wichtig, denn auch die Produktion von Konsumgütern und Freizeitaktivitäten stossen CO2 aus. Hier zwei Vergleiche:

  • Die Produktion einer Jeans verursacht fast so viel CO2 wie der jährliche Milchkonsum einer Person in der Schweiz.
  • Gemäss Erhebungen verreisen Schweizer:innen knapp einmal im Jahr mit dem Flugzeug. Bei der dabei durchschnittlich zurückgelegten Distanz entsteht ein etwa zehnmal höherer CO2-Ausstoss als durch den Pro-Kopf-Konsum von Milch.

In Zahlen: die CO2-Verursacher in der Schweiz

Jegliches Leben auf der Erde ist im Grundsatz mit der Produktion von Kohlenstoffdioxid (CO2) verbunden. In der Schweiz werden total 40,11 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent (CO2-eq) pro Jahr emittiert (Stand 2024). Fragst du dich, welcher Bereich welchen Anteil an den CO2-eq-Emissionen bei uns in der Schweiz hat?

  • Den grössten Teil verursacht der Verkehr mit 33,5 % CO2-eq.
  • Es folgt die Industrie mit einem Anteil von 22,3 % CO2-eq.
  • An dritter Stelle folgen Gebäude mit 22% CO2-eq.
  • Unsere Landwirtschaft ist verantwortlich für 16,5 % CO2-eq und somit an vierter Stelle.
  • Das Milchvieh verursacht mit seiner Verdauung 5,2% CO2-eq der Gesamtemissionen in der Schweiz.

Gut zu wissen: Was heisst CO₂-Äquivalent (CO2-eq)?

Das CO₂-Äquivalent ist die Masseinheit zur Vereinheitlichung der Klimawirkung aller Treibhausgase. Da Treibhausgase wie CO₂, Methan oder Lachgas nicht die gleiche Erwärmungswirkung haben, werden diese in CO₂-Äquivalent umgerechnet. So können sie anschliessend untereinander verglichen werden.

Was sind Treibhausgase eigentlich?

Treibhausgase sind Gase, die Sonnenlicht aufnehmen und wieder an die Atmosphäre abgeben, was zu einer Erwärmung dieser führt. Ein gewisser Anteil an Treibhausgasen auf der Erde ist wichtig und nötig, denn nur so ist das Leben auf diesem Planeten überhaupt möglich. Jedes Lebewesen stösst CO2 bei der Atmung aus: sowohl der Mensch als auch die Tiere. Normalerweise halten sich CO2-Ausstoss und -Aufnahme in den Boden über Pflanzen in etwa im Gleichgewicht.

Durch menschliche Eingriffe, insbesondere seit der Industrialisierung und durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle, Benzin und Öl, wurde dieses Gleichgewicht jedoch stark gestört. Zusätzliches CO2 wird freigesetzt, welches nicht von natürlichen Prozessen aufgenommen werden kann. Die Folge ist eine verstärkte Erwärmung der Erdatmosphäre.

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wichtige Treibhausgase

  1. Kohlenstoffdioxid (CO2): CO2 macht 78% aus, also den Grossteil der Gesamtemissionen in der Schweiz. Es entsteht vorwiegend bei der Nutzung fossiler Brenn- und Treibstoffe (Verkehr, Heizung, industrielle Prozessenergie) sowie bei industriellen Prozessen. Es handelt sich um ein langlebiges Gas, dessen Klimawirkung Jahrhunderte andauert.

  2. Methan (CH4): Methan ist das zweithäufigste Treibhausgas in der Schweiz mit einem Anteil von 12%. Es stammt hauptsächlich aus der Landwirtschaft und der Abfallbewirtschaftung. Weitere Quellen sind das Erdgasnetz, Biogasanlagen, Kompostierung und die Nutzung von Brenn- und Treibstoffen. Die Methanemissionen sind in der Schweiz rückläufig. Es ist ein kurzlebiges Gas, welches sich in der Atmosphäre schnell zersetzt.

  3. Lachgas (N2O): Lachgas ist das dritthäufigste Gas mit einem Anteil von knapp 7%. Dieses Gas entsteht bei landwirtschaftlichen Aktivitäten, Abfallbewirtschaftung, bei der Nutzung von Brenn- und Treibstoffen sowie bei industriellen Prozessen. Auch diese Emissionen sind rückläufig. Es handelt sich um ein langlebiges Gas.

  4. Synthetische Gase (PFC, PFC, SF6, NF6): Synthetische Gase sind die am wenigsten verbreiteten Gase und machen 3% der Gesamtemissionen aus. Diese Gase werden als Kältemittel in Kühlräumen, Kühlschränken und Klimaanlagen verwendet sowie als elektrische Isolatoren und Lösungsmittel bei der Herstellung von Schaumstoffen. Der Höchststand wurde zwischen 2018 und 2021 erreicht; seitdem ist der Trend rückläufig (Stand 2024).