Medienmitteilung – Milchpolitik

Stand­punkt der Milch­bran­che zur Re­or­ga­ni­sa­ti­on bei der Agroscope

12.05.2016 – Die Milchbranche hat in einem Brief an den Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) dargelegt, welche wichtige Leistungen sie auch künftig von der Agroscope, der Forschungs- und Dienstleistungsinstitution für die Land- und Ernährungswirtschaft des Bundes, erwartet.

Gemäss Ankündigung der Leitung der Agroscope sollen die heutigen vier Institute und 19 Forschungsbereiche per 1. Januar 2017 aufgehoben und durch zehn neu zu schaffende Einheiten ersetzt werden. Dabei wird angedeutet, dass die Forschung internationaler ausgerichtet werden soll und langjährige Partnerschaften mit der Schweizer Milchbranche (PPP, öffentlich-private Partnerschaft) weniger relevant sein werden.
Die Schweizer Land- und Milchwirtschaft ist aufgrund der sich laufend öffnenden Grenzen in den letzten zwei Jahrzehnten immer stärker dem internationalen Umfeld ausgesetzt worden. In dieser Entwicklung sind qualitativ hochstehende Milch und Milchprodukte, welche nachhaltig produziert werden, eine Chance, um im Markt Bestand haben zu können. Wichtige unterstützende Leistungen von Agroscope für die Schweizer Milchwirtschaft sind:

  • Der Erhalt und die Weiterentwicklung des Know-hows des Futterbaus mit standortgerechten Futterpflanzen, der Futterkonservierung, der tiergerechten und der wirtschaftlichen Fütterung des Rindviehs.
  • Die Forschung im Bereich Käse und die Herstellung von Kulturen für die Käseproduktion. Die Qualitätsführerschaft bei der Herstellung von Käsespezialitäten ist für das Bestehen am Markt von zentraler Bedeutung. Die weltweit einzigartige Verbindung von Forschung und Praxis ermöglicht es, diese zu behaupten und die Entwicklung neuer, innovativer Milchprodukte massgeblich zu unterstützen.
  • Die Qualitätssicherung bei der Milchproduktion wie bei der Milchverarbeitung unter dem Aspekt bewährter wie neuer Technologien. Aufgrund der Eigenheiten der schweizerischen Produktion (z.B. gras- resp. raufutterbetonte Rationen, teilweise andere Kuhrassen) ist es entscheidend, dass ein unabhängiges Referenzlabor in der Schweiz betrieben wird.
  • Die ständige Überprüfung der Produktesicherheit ist ein wichtiges Anliegen sowohl der Milchwirtschaft als auch der Konsumentinnen und Konsumenten.

Unter diesem Aspekt hat die Milchbranche mit Besorgnis von der angekündigten Reorganisation von Agroscope Kenntnis genommen. Es besteht die Gefahr, dass hoch qualifiziertes Personal Agroscope verlässt und damit langjährig aufgebautes Know-how unwiederbringlich verloren geht.
Aus Sicht der Milchwirtschaft besteht die Befürchtung, dass angesichts der sinkenden Budgets die Akquisition von Geldern aus internationalen Forschungsfonds im Vordergrund stehen wird. Dabei würde es auf der Hand liegen, dass die Verbindung zwischen den neuen Forschungsbereichen und den Kompetenzzentren, bei denen die Lösungssuche für die Praxis stattfinden soll, verloren geht. Damit stehen die Einzigartigkeit der landwirtschaftlichen Forschung und damit der Nutzen von Agroscope für die Branche auf dem Spiel.
Die Milchbranche fordert Bundespräsident Schneider-Ammann, Leiter des Eidgenössischen Departementes für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) auf, den Bedenken Rechnung zu tragen und auf die Reorganisation Einfluss zu nehmen, damit die einzigartigen bisherigen Leistungen der Agroscope für die Milchbranche wie für die Konsumentinnen und Konsumenten erhalten bleiben.

Weitere Aus­künf­te

Kurt Nüesch
Direktor SMP
031 359 52 11  /  079 661 41 59

Jacques Gygax
Direktor Fromarte
031 390 33 30  /  079 209 41 49

Lorenz Hirt
Geschäftsführer VMI
031 356 21 21  /  079 685 35 75

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Standpunkt der Milchbranche zur Reorganisation bei der Agroscope (PDF, 76 KB)
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