Medienmitteilung – Milchpolitik

Unsinnige "Ross­kur" für Schweizer Milch­pro­du­zen­ten!Antwort des Bun­des­ra­tes zur Motion Milch­markt (12.3665)

14.05.2014 – Der heute vom Bundesrat verabschiedete Bericht zur sektoriellen Marktöffnung streut den Milchproduzenten mächtig Sand in die Augen. Die SMP lässt die getroffenen Annahmen durch eine unabhängige Stelle wissenschaftlich überprüfen.

Der Bundesrat hat heute den Bericht zur sektoriellen Marktöffnung mit der EU für alle Milchprodukte veröffentlicht. Der Bericht ist eine Antwort an das Parlament auf die Motion Milchmarkt (12.3665). Bereits im September 2013 hat die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Zollikofen im Auftrag der Schweizer Milchproduzenten SMP eine unabhängige  wissenschaftliche Analyse der Auswirkungen eines solchen Schrittes vorgenommen. Daraus kam zum Ausdruck, dass eine Kompensation von 2‘020 Franken je Hektare Hauptfutterfläche notwendig wäre, um die direkten Einkommensauswirkungen in der Milchproduktion auszugleichen. Weitere indirekte Auswirkungen wurden nicht quantifiziert (Auswirkungen Fleischmarkt etc.).
Der Bundesrat geht im Bericht von einer Milchpreissenkung von bis zu 25 Prozent und gleichzeitiger Kostensenkung in der Milchproduktion um 20 Prozent aus. Im vorteilhaftesten Szenario soll dies mit einem Grünlandbeitrag von 800 Franken je Hektare entschädigt werden. Für die Michproduzenten würde sich das Einkommen bei konstanter Milchmenge insgesamt zudem um 100 bis 200 Mio. (!) Franken vermindern. Der Bundesrat verspricht sich dazu einen „Wohlfahrtsgewinn“ von 150 bis 200 Mio. Franken. Gemäss Bericht wären zusätzlich öffentliche Mittel von 150 Mio. Franken aus der Bundeskasse notwendig.
Trotz diesen an sich schon aussagekräftigen Eckwerte streut der Bundesrat den Milchproduzenten auch mit den getroffenen Annahmen (Milchmenge, Kostenentwicklung etc.) mächtig Sand in die Augen. Die Studie der HAFL ist zu wesentlich anderen Schlussfolgerungen in Bezug auf den Kompensationsbedarf gekommen. Die zusätzliche, jährliche Abhängigkeit von staatlichen Geldern, bei einem unternehmerischen Planungshorizont von über 10 Jahren, beurteilen die Milchproduzenten zudem sehr kritisch. Aus der Öffnung des Käsemarktes wissen sowohl die Milchproduzenten wie die Konsumenten inzwischen, dass Wohlfahrtsgewinne, die mit theoretischen Modellen errechnet werden, in der Realität dann nicht oder nur sehr beschränkt realisiert werden und „versickern“.
Die Schweizer Milchproduzenten SMP werden den Bericht des Bundesrates vertieft analysieren und prüfen, auf welchen Annahmen dieser im Detail basiert. Dazu hat SMP einen wissenschaftlichen Auftrag an eine unabhängige Stelle vergeben. Die Würdigung wird in einigen Wochen, jedoch rechtzeitig für die politische Beratung vorliegen.

Weitere Aus­künf­te:

Kurt Nüesch
Direktor SMP
Mobile: 079 661 41 59

Hanspeter Kern
Präsident SMP
Mobile: 079 418 52 16

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