Medienmitteilung – Milchmarkt

Ge­mein­sa­me Eckwerte für den Milchkauf festlegenIntensive Ver­hand­lun­gen der na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen

30.11.2010 – Nach intensiven Verhandlungen haben die nationalen Organisationen der Milchproduzenten und Milchverarbeiter gemeinsame Eckwerte für den Milchkauf festgelegt. Kernelement der Vereinbarung ist die Regelung der Qualitätsbezahlung der Milch. Die Organisationen fordern ihre Mitglieder auf, die vereinbarten Eckwerte in ihren Milchkaufverträgen ab 2011 umzusetzen.

Die nationalen Organisationen der Milchproduzenten (SMP), der Milchindustrie (VMI) und der gewerblichen Milchverarbeiter (Fromarte) publizieren seit dem Jahr 2000 gemeinsame Eckwerte für den Milchkauf. Auf 2011 wurde eine grundlegende Überprüfung und Überarbeitung vor allem deshalb nötig, weil die öffentlich-rechtliche Qualitätskontrolle der Milch unter dem Titel „Milchprüfung 2011“ neu geregelt wird.

Was ändert mit der Milchprüfung 2011?
Mit der Milchprüfung 2011 werden ab Januar 2011 von jedem Produzenten zwei Milchproben pro Monat untersucht (bisher 14 Proben pro Jahr). Bei über 25‘000 Milchproduzenten ergibt dies mehr als 600‘000 Milchproben, die jährlich auf die Kriterien Keimzahl, Anzahl somatische Zellen (Zellzahl) und Hemmstoff analysiert werden.
Für die öffentlich-rechtliche Milchliefersperre, die von der dafür zuständigen kantonalen Amtsstelle verfügt wird, bildet bei der Keim- und Zellzahl neu der geometrische Mittelwert der beiden gewerteten Monatsergebnisse die Grundlage. Die damit erfolgte Annäherung an die Regelung der EU wird dazu führen, dass die Anzahl der amtlichen Milchliefersperren wegen Beanstandung der Keim- oder Zellzahl zurückgehen wird. Unverändert bleibt die Regelung bei den Hemmstoffen, wo eine Beanstandung in jedem Fall die sofortige Milchliefersperre zur Folge hat (vgl. dazu beiliegendes Infoblatt).

Mehr Abzüge, aber auch Zuschläge bei der Qualitätsbezahlung
Obwohl die Beanstandungsgrenze bei der Keim- und der Zellzahl bei 80‘000 Keimen/ml und 350‘000 Zellen/ml belassen wurde und damit strenger ist als die Regelung der EU, bildet die öffentlich-rechtliche Regelung nur noch einen minimalen Rahmen. Viel wichtiger für die Sicherung und weitere Förderung der Milchqualität im Sinne der Qualitätsstrategie der Schweizerischen Milchwirtschaft ist die Qualitätsbezahlung der Milch, wie sie mit den Eckwerten für den Milchkauf zwischen den Organisationen der Milchproduzenten und der Milchverarbeiter gemeinsam festgelegt wurde.
Bei der Qualitätsbezahlung ist im Unterschied zu den öffentlich-rechtlichen Sanktionen nicht der geometrische Mittelwert der beiden Monatsproben massgebend, sondern es zählt jeweils das schlechtere der beiden Ergebnisse. Mit der Erhöhung der Probenzahl steigt für den Milchproduzenten die Wahrscheinlichkeit für eine Beanstandung der Milchqualität. Eine weitere Verschärfung gegenüber bisher ergibt sich dadurch, dass bei der Zellzahl neu ein Preisabzug bereits bei der ersten Beanstandung erfolgt.
Im Gegenzug haben sich die Molkereimilchverwerter verpflichtet, bei besonders guter Qualität einen Zuschlag von 0.5 Rappen pro kg Milch auszurichten.

Spezielle Anforderungen für Käsereimilch
Für Käsereimilch, bei welcher zusätzliche Qualitätsanforderungen erfüllt sein müssen, um qualitativ hervorragenden Käse herzustellen, wird den Produzenten und Verarbeitern eine spezifische Qualitätsbezahlung empfohlen. Neben den Preisabzügen bei den Grundanforderungen (Keimzahl, somatische Zellen, Hemmstoffe und Gefrierpunkt), die für alle Milch gelten, können zusätzliche Abzüge gemacht werden, wenn spezifische Kriterien nicht erfüllt sind. Demgegenüber ist den Produzenten ein angemessener Bonus bei einwandfreier Milch auszurichten.

Umsetzung erfolgt in den Milchkaufverträgen
Mit der Neuregelung der Qualitätsbezahlung der Milch werden sowohl über die verschärften Abzüge bei nicht erfüllten Anforderungen wie auch mit den Zuschlägen für qualitativ besonders gute Milch zusätzliche Anreize geschaffen, das im internationalen Vergleich bereits heute sehr gute Qualitätsniveau der Schweizer Milch weiter zu verbessern und damit den Qualitätsvorsprung zu halten.
Die Organisationen der Milchproduzenten und der Milchverarbeiter fordern ihre Mitglieder auf, die gemeinsam vereinbarten Eckwerte in ihren Milchkaufverträgen 2011 umzusetzen. Diese bilden eine wichtige Grundlage für zeitgemässe Milchkaufverträge, die den gesetzlichen Anforderungen gemäss Artikel 36 b des Landwirtschaftsgesetzes entsprechen und die gegenseitigen Anliegen ausgewogen berücksichtigen.
Nicht Bestandteil der Eckwerte sind die konkreten Vereinbarungen zu den Mengen und Preisen, die individuell auszuhandeln sind.

Aus­künf­te

Jacques Gygax
Fromarte
Telefon 031 390 33 30

Andreas Wegmüller
VMI
Telefon 026 407 24 01

Kurt Nüesch
Schweizer Milchproduzenten SMP
Telefon 031 359 54 11

Thomas Reinhard
Schweizer Milchproduzenten SMP
Telefon 031 359 54 82

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