Medienmitteilung – Milchmarkt

Fehlende Umsetzung der BO Milch-In­stru­men­teKa­ta­stro­pha­le Lage am Milch­markt

21.04.2010 – Der Milchpreis ist weiterhin unter Druck. Schuld daran tragen jene Marktakteure in der Branchenorganisation Milch, die keinen Willen zeigen, die vereinbarten Instrumente richtig anzuwenden und die gefällten Beschlüsse auch umzusetzen. Diesen Vollzugsmissstand will die Organisation Schweizer Milchproduzenten SMP beheben. Die SMP-Delegiertenversammlung stimmt deshalb am 21. April 2010 über eine Resolution ab, mit welcher die BO Milch ultimativ zum raschen Handeln aufgefordert wird.

Der Schein trügt

In den vergangenen Monaten herrschte relative Ruhe am Milchmarkt. Doch der Schein trügt. Um das zarte Pflänzchen "Branchenorganisation Milch" (BO Milch) nicht in seinem Gedeihen zu gefährden, hat die Organisation Schweizer Milchproduzenten SMP in den vergangenen Monaten stets von Neuem alles daran gesetzt, den Dialog unter den verschiedenen Interessengruppen zu versachlichen, die konsolidierte Meinung der Milchproduzenten einzubringen, die getroffenen Entscheide mitzutragen und diese gegen aussen hin positiv zu würdigen.

Doch die Erwartungen der Milchproduzenten wurden bisher nicht erfüllt. Die Milchpreise als wichtigster Einkommensbestandteil der Milchproduzenten drohen weiter zu erodieren. Die grosse Mehrheit der Akteure in der Branchenorganisation schaut aber taten- und willenlos zu.

Wenn aber die In­stru­men­te der BO Milch jetzt nicht sofort an­ge­wen­det werden, lehnt die SMP jegliche Ver­ant­wor­tung für die Ent­wick­lung am Milch­markt ab

Weshalb?

  • Die Branchenorganisation Milch erfüllt ihr statutarisches Ziel der "Wertschöpfungsstrategie"
  • Die BO Milch ist offenbar nicht willens, die allgemein verbindlichen Instrumente korrekt anzuwenden und die getroffenen Entscheide umzusetzen.
  • Die Konsequenzen sind für die Milchproduzenten gravierend. Aktuell erhalten die Industriemilchproduzenten Milchpreise um 57 Rappen pro Kilogramm, wobei die Bandbreite von 50 bis 60 Rappen reicht. Vor wenigen Tagen wurde eine weitere Preissenkung angedroht. Wer die wirtschaftlichen Interessen der Milchproduzenten glaubhaft vertritt, darf nichts unversucht lassen, um diesen Preisdruck abzuwenden. Denn ein Milchpreis von 50 Rappen deckt im Durchschnitt noch die Hälfte der effektiven Produktionskosten zu Schweizer Preisen.

  • Eine weitere Preissenkung auf dem Milchpreis bringt den Milchmarkt nicht ins Lot. Sobald ein grosser Milchverarbeiter seine Einstandspreise senkt, ziehen die anderen aus Wettbewerbsgründen nach. Damit wird lediglich das Gesamtpreisniveau gesenkt, aber kein Beitrag zum Abbau der Milchüberschüsse geleistet, die sich in Form von Milchpulver- und Butterbergen auftürmen. Jede Milchpreissenkung bedeutet hingegen einen weiteren Einkommensverlust für die Produzenten.

  • Heute müsste der Molkereimilchpreis eigentlich bei 64 Rappen liegen. Denn dies ist der Rohstoffwert, wenn man das aktuelle Preisniveau des Detail- und Grosshandels sowie den Milchpreis der umliegenden EU-Länder mit einbezieht. Dieser Wert wird im Auftrag der BO Milch monatlich vom Bundesamt für Landwirtschaft berechnet und publiziert.

  • Die ausbezahlten Milchpreise sind weit davon entfernt. Mit ein Grund ist, dass für das Überangebot an Milch und Milchprodukten die noch bestehenden Grenzschutzmassnahmen nicht mehr greifen können. Mit dem bestehenden Instrumentarium der BO Milch kann dieses Problem gelöst werden, sofern es richtig angewendet wird.

  • Aufgrund einer verfehlten  Beschaffungspolitik einzelner Milchverkaufsorganisationen und Milchverarbeiter wurden bereits in den beiden vergangenen Jahren mindestens 160‘000 Tonnen Milch zu viel produziert. Dies entspricht einer Buttermenge von 8‘000 Tonnen. Doch für diese Überproduktion wollen die betreffenden Marktakteure keine Verantwortung übernehmen. Im Gegenteil. Sie setzen weiterhin alles daran, ihre Milchproduktion noch stärker auszudehnen und so die Produzentenpreise noch weiter hinunterzureissen. In einem Markt mit einem weitgehend standardisierten und hoch verderblichen Ausgangsprodukt wie die Milch treibt eine solche Verdrängungsstrategie die Spirale von sinkenden Preisen noch stärker an.

  • Von den rund 400 Millionen Franken, welche die Milchproduzenten im Jahr 2009 nicht mehr erhielten, ist lediglich gut ein Viertel via Detailhandel bei den Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten angekommen. Die Exporte wurden um rund 80 Millionen billiger. Über die Hälfte blieb bei den übrigen Wertschöpfungsstufen Handel, Verarbeitung und Grossverbraucher hängen. Dies zeigt, dass die Verteilung der Wertschöpfung auf die verschiedenen Marktstufen nicht nach der Marktleistung erfolgt, sondern nach der Marktmacht der jeweiligen Akteure.

  • Der Milchmarkt ist zwar liberalisiert, das heisst aber nicht, dass er auch ideal funktioniert. Im Gegenteil: Der Markt versagt. Die Marktstrukturen sind stark asymmetrisch, die relevanten Marktinformationen nicht für alle gleich verfügbar und das Angebot kann gar nicht der Nachfrage angepasst werden, weil die Verarbeiter ihre echte Nachfrage nicht offenlegen wollen.

Re­so­lu­ti­on zuhanden der BO Milch

Tatsächlich gibt es einige Zyniker, darunter auch Meinungsführer der Milchproduzenten, die finden das sei eben „Markt“. Doch diese verwechseln den Schweizer Milchmarkt mit einem mittelalterlichen Basar, wo Ehrlichkeit und Transparenz nicht zu den prioritären Tugenden gehörten.

Die strategische und operative Führung der SMP ist unverändert gewillt, diesem Treiben ein Ende zu setzen und unterbreitet deshalb den SMP-Delegierten an der ordentlichen Delegiertenversammlung vom 21. April 2010 eine Resolution zuhanden des Vorstandes der BO Milch mit folgendem Inhalt:

  • Die SMP fordert von der Branchenorganisation Milch alle Massnahmen darauf auszurichten, dass eine weitere Senkung des Molkereimilchpreises verhindert wird.

  • Zweitens: Die bereits beschlossene Abräumung von 52 Millionen Kilogramm Milch ist sofort, bis spätestens Mitte Mai umzusetzen, und der Mengenindex ist auf 93 Prozent zu reduzieren, um die Vertragsmenge den effektiven Absatzmöglichkeiten anzupassen.

  • Drittens: Die Beschlüsse der Branchenorganisation Milch müssen konsequent umgesetzt werden und deshalb der Vollzug verstärkt werden.

Der Vorstand der BO Milch hält seine nächste Sitzung am 22. April 2010 ab.

Aus­künf­te

Albert Rösti
Direktor SMP
Telefon 031 359 52 11 / Mobile 079 255 88 56
E-Mail albert.roesti@swissmilk.ch

Christoph Grosjean-Sommer
Kommunikation Wirtschaft und Politik
Telefon 031 359 53 18 / Mobile 079 645 81 36
E-Mail christoph.grosjean@swissmilk.ch

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