Wenn Kinder Kühen Merci sagen: Tag der Pausenmilch in der Ajoie

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Wenn Kinder Kühen Merci sagen: Tag der Pausenmilch in der Ajoie

Schulstunde zum Anfassen: Auf dem Biohof der Familie Schori in Miécourt erleben Schulkinder hautnah, wie viel Arbeit in einem Stück Käse steckt – und kommen aus dem Staunen kaum mehr heraus.

Der Kuh so nah wie nie

Die Melkmaschine surrt leise, fünfzehn Kinder in farbigen Regenkleidern stehen in der Vertiefung im Boden des Melkstands, ihre Nasen etwa auf Höhe des Stallbodens. Dann streckt eine braune Kuh ihren Kopf durch das Tor und trottet hinein. Ein kollektives "Wow!" geht durch die Menge. Für viele ist es das erste Mal, dass sie einer Kuh so nahe sind.

Praktikantin Rebekka drückt einen Knopf. Langsam bewegen sich die Schläuche der Melkmaschine nach oben und sie zeigt den Kindern, wie man das Melkzeug am Euter anbringt. "Das Saugen tut der Kuh nicht weh", sagt sie und hält ihren Finger in einen Schlauch. Die Kinder machen es ihr nach und müssen lachen, weil es sie kitzelt. Daneben erklärt Yvan Schori, dass es etwa 400 Liter Milch braucht, um einen Laib Gruyère herzustellen. "Das sind etwa 400 Trinkflaschen. Also sehr viel", sagt die Lehrerin.

So geht das also: Rebekka erklärt die Melkmaschine. (Fotos: Fabio Blaser)

Tag der Pausenmilch: mehr als nur ein Glas Milch

Es ist Tag der Pausenmilch und ganz hinten in der Ajoie, an der französischen Grenze, laden Caroline und Yvan Schori Kinder auf ihren Hof ein. Bereits seit mehreren Jahren möchten sie auf ihrem Bio-Milchbetrieb in Miécourt bei Pruntrut mehr vermitteln als nur ein Glas Milch. Sie wollen Landwirtschaft erlebbar machen. Die Sonne drückt durch den Hochnebel, es riecht nach Stall, man hört die rund 40 Kühe scharren und die Kinder lachen.

Die "Ferme des Tilleuls" wird heute zum Begegnungsort.

Pausenmilch – damals und heute

Seit über zwei Jahrzehnten sorgt der Tag der Pausenmilch für Freude und genussvolle Pausenmomente auf Schweizer Schulhöfen. Am 29. Oktober 2026 findet der Anlass in allen Sprachregionen der Schweiz statt. Engagierte "Pausenmilchfrauen" des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands (SBLV), Eltern, Lehrpersonen und weitere Freiwillige schenken dabei rund 245'000 Kindern von der Kita bis zur 9. Klasse Milch aus. Hofbesuche wie der bei Familie Schori ermöglichen zudem intensive Begegnungen zwischen Landwirtschaft und Kindern.

 

Mehr erfahren Tag der Pausenmilch | Swissmilk

Kühe haben ihren eigenen Willen.

Im Melkstand entfernt Rebekka alle Melkaufsätze vom Euter der Kuh, diese will aber noch ein wenig bleiben. Die Kinder lachen, als sie einen Stupser bekommt und sich dann bewegt. "Möchtet ihr zu den Kälbchen?", fragt Yvan die Kinder. Sie wollen und antworten im Chor mit einem "Ja!". Der Landwirt führt sie ins Gatter zu den erst wenige Tage alten Tieren.

Einige Kinder haben grossen Respekt vor den Kälbern, die ähnlich gross sind wie sie selbst. Andere wollen unbedingt das weiche Fell streicheln. Die Tiere scheinen anfangs etwas überfordert mit den vielen Mädchen und Buben. Doch Yvan schaut gut hin und erklärt: "Sie müssen auf euch zukommen. Wenn ihr auf sie zugeht, springen sie weg."

Heute wird gestreichelt, geschaut ...
Heute wird gestreichelt, geschaut ...

Landwirtschaft wird greifbar.

"Wahnsinnig toll", freut sich Emilio, der zum ersten Mal ein Kalb streichelt. Solche Momente seien "enorm wertvoll", sagt die Lehrerin. Viele Kinder hätten heute keinen Bezug mehr zur Landwirtschaft – auch nicht hier auf dem Land. "Früher hatte immer irgendjemand in der Familie einen Hof, das ist heute nicht mehr so", sagt sie.

... und richtig mit angepackt.

Auch der Tod gehört dazu.

Yvan zeigt den Kindern auch gleich die Realität des Hoflebens: Ein Kalb hat eine Verletzung am Vorderbein und komme deshalb bald zum Metzger, erklärt er. Einige Kinder machen entsetzte Augen – geben aber zu, auch Fleisch zu essen. Auch das gehört zum Leben auf dem Bauernhof.

Beim Freilaufbereich wartet Caroline Schori bei den kauenden Kühen. Sie füttert die Tiere gemeinsam mit den Kindern mit Heu und Kartoffeln – alles aus eigenem Anbau. Man strebe die Selbstversorgung an, sagt sie. Derzeit liege man beim Kuhfutter bereits bei 90 Prozent.

Die Geschlechterfrage

"Wie funktioniert das mit dem Stier?", fragt ein Junge. Ob jemand denn einen Stier sehe, fragt Caroline zurück. Mehrere Kühe werden daraufhin irrtümlich dem falschen Geschlecht zugeordnet. Caroline erklärt die Sache mit den Eutern und geht nach draussen zu einem abgetrennten Gehege.

"Nicht zu nahe ran", warnt sie die Kinder. Ein stämmiger schwarzer Stier kommt neugierig an den Zaun – und die Kinder erkennen dank dem, was sie zuvor gelernt haben, sofort sein Geschlecht. Vom Stier weg sind die Kinder schnell wieder gelockt: Zwei kleine Lämmer und ein erst eintägiges Kalb bekommen Schoppen und die Kinder dürfen mithelfen.

Willkommene Stärkung nach all den Eindrücken
Willkommene Stärkung nach all den Eindrücken

"Ich will von der echten Milch"

Danach gibt es Pausenmilch, aber auch Brot, Wurst und Gruyère-Käse, alles vom eigenen Hof. Die Milch wurde erst vor wenigen Stunden gemolken. Caroline hat sie pasteurisiert und einige Flaschen mit Schoko- und Erdbeerpulver angerührt. "Ich will von der echten Milch!", sagt ein Mädchen und zeigt auf die pure Milch. Caroline muss lachen und schenkt ein.

Die Kinder sitzen auf Heuballen, trinken Milch und bedanken sich bei den Kühen dafür. Einer von ihnen ist Lorin. Sein Onkel hat einen Bauernhof und für ihn ist klar: Er will auch Landwirt werden. Ganz besonders freut er sich auf den Rückweg ins Dorf, denn diesen dürfen die Kinder mit dem Traktor machen.