"Ich möchte morgen ein besserer Landwirt sein als heute."

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Gschicht vo hie

"Ich möchte morgen ein besserer Landwirt sein als heute."

Was motiviert dich, Landwirt zu sein? Was sind Herausforderungen auf einem kleinen Schweizer Hof? Im Rahmen des European Milk Forums (EMF) 2025 hat uns Landwirt Christian Schönbächler aus Einsiedeln Rede und Antwort gestanden.

Zur Person

Unser Interviewpartner Christian Schönbächler ist gelernter Landwirt und Agrotechniker HF. Sein Hof in Einsiedeln ist ein reiner Grünlandbetrieb und umfasst 15 Hektaren in der Bergzone 2Hauptzweig ist die silofreie Milchproduktion für die Milchmanufaktur Einsiedeln. In Zusammenarbeit mit der Milchmanufaktur werden auf dem Hof ausserdem Hofführungen für Schulklassen, Firmen, Gruppen oder Touristen angeboten. Christian lebt auf dem Hof mit seiner Frau, den drei gemeinsamen Kindern und 20 Milchkühen.

Christian, was motiviert dich dazu, Landwirt zu sein? 

Meine Motivation ist, Lebensmittel zu produzieren. Ich glaube, wir haben eine moralische Verpflichtung, mit dem Boden, der uns zur Verfügung steht, Lebensmittel zu produzieren – und zwar auf möglichst nachhaltige Art und Weise. Ich liebe es, in der Natur zu arbeiten, und ich liebe es, mit den Kühen zu arbeiten. Ich hatte die Chance, einen Betrieb übernehmen zu können, und das motiviert mich sehr. Ausserdem möchte ich der Gesellschaft auch etwas zurückgeben können. 

 

Um deinen Hof noch besser für die Zukunft zu machen: Hast du Ideen oder Ziele, die du erreichen möchtest? 

Das beschäftigt mich jeden Tag. Ich möchte morgen ein besserer Landwirt sein als heute. Ich informiere mich täglich, schaue nach neuen Entwicklungen und denke, dass uns die Digitalisierung dabei sehr stark weiterhelfen kann, besser zu werden. Ich lese Fachpresse und Fachartikel sowie wissenschaftliche Arbeiten und versuche, all das in den Hof einzubeziehen. Es ist jedoch nicht immer möglich, alles sofort umzusetzen. Manches braucht Zeit, manches braucht Geld. Aber wir bleiben dran und mit der Digitalisierung sowie dem Austausch mit Freunden und Kollegen kommen wir, denke ich, weiter. 

 

Was ist bei deinem Hof speziell?  

Bei unserem Hof ist vor allem die Betriebsgrösse speziell. Wir sind auch für die Schweiz ein eher kleiner Betrieb. Ich sage immer: Ich arbeite mit dem, was wir haben. Ich liebe meinen Job und das kann auch eine Chance sein. Man versucht mit den Gegebenheiten, die man hat, möglichst gut zu arbeiten. 

 

Wo liegen die grössten Herausforderungen für dich und deinen kleinen Schweizer Betrieb? 

Ich denke, die klimatischen Veränderungen beschäftigen auch uns recht stark. Wir sind in einer Region tätig, in der in einem normalen Jahr nicht Trockenheit, sondern eher zu viel Regen ein Problem sein kann. Dazu kommen Starkregenereignisse und Hagelzüge, die teilweise durchziehen. Sie können den Erfolg eines landwirtschaftlichen Jahres stark beeinflussen. Wir versuchen, hier mit verschiedenen Methoden gegenzusteuern. Ich finde regenerative Methoden aktuell sehr spannend und habe auch schon das eine oder andere auf dem Hof ausprobiert.

 

Was sind Beispiele für Digitalisierung und regenerative Massnahmen auf deinem Hof? 

Bei den regenerativen Ansätzen versuchen wir, unser Weidemanagement so anzupassen, dass wir möglichst kurze Beweidungszeiten auf den Feldern haben. Die Digitalisierung hilft mir dabei, Daten zu generieren, die ich später auswerten kann. Diese Daten kann ich dann auch zusammen mit einem Berater oder einer Fachperson analysieren, um daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen und in Zukunft besser zu sein als heute. 

 

Und wie siehst du die Zukunft?  

Ich bin sehr positiv eingestellt – sowohl für die Schweizer Landwirtschaft als auch für die Landwirtschaft weltweit. Die Bevölkerung wächst stetig. Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir Lebensmittel produzieren, so nachhaltig wie möglich. Lebensmittelproduktion bleibt eine zentrale Aufgabe und wird immer wichtig bleiben. Der Mensch muss schliesslich dreimal am Tag etwas essen.

 

Dein Betrieb liegt auf 900 m ü. M. – was bedeutet das für dich?  

Genau. Wir führen einen Landwirtschaftsbetrieb auf 900 m ü. M. Ackerbau ist hier schwierig – nicht unmöglich, aber sehr schwierig. Deshalb haben wir hauptsächlich Naturwiesen und Grasland. Dafür brauchen wir Wiederkäuer, um dieses Gras in etwas Essbares für uns umzuwandeln. Ausserdem geben mir die Naturwiesen und das Grasland eine gewisse Sicherheit. Egal, wie das Wetter ist – ich habe ungefähr konstante Erträge und weiss gegen Ende des Jahres ungefähr, wie viel Geld auf dem Konto sein wird. Landwirtschaft kann man vielleicht auch ein bisschen romantisieren, aber am Ende des Jahres ist es auch so, dass ich meine Rechnungen bezahlen und meine Familie ernähren muss.

 

Wir sind hier beim European Milk Forum. Wie wichtig ist der Austausch zwischen Landwirt:innen in der Schweiz und auch mit solchen aus anderen Ländern? 

Ich habe das als sehr spannend und interessant empfunden. Der Austausch mit den anderen Landwirten und Landwirtinnen war sehr bereichernd. Ich habe festgestellt, dass viele ähnliche Probleme und Herausforderungen haben. Gleichzeitig merke ich aber auch, dass alle enorm motiviert sind, diese Herausforderungen anzugehen. Viele wollen morgen besser sein als heute. Ich glaube, das ist etwas, das viele junge Bäuerinnen und Bauern weltweit verbindet: nachhaltiger und besser zu werden. Es gibt viele verschiedene Ansätze und genau das macht es spannend. Ich kann mir das herausnehmen, was für mich und meinen Betrieb am besten passt, und das dann umsetzen, um nachhaltiger zu werden. 

Es war ein toller Tag hier – sehr interessant und mit einem grossen Mehrwert. 

Das European Milk Forum (EMF)

Das European Milk Forum (EMF) ist eine europäische Plattform der Milchbranche, die sich für Information, Austausch und Kommunikation rund um Milch und Milchprodukte einsetzt. Das Interview mit Christian ist beim Roundtable "Shaping the Future of European Dairy Farming" des EMF im September 2025 in Brüssel entstanden.