Gschicht vo hie

Milch oder Pflanzendrinks? Das sagt der Ernährungswissenschaftler.

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Milch oder Pflanzendrinks? Das sagt der Ernährungswissenschaftler.

Ist Milch gesünder als Pflanzendrinks und sind diese wirklich nachhaltiger als Milch? Das haben die Moderatoren vom Swissmilk-Podcast Ernährungswissenschaftler Dr. Malte Rubach gefragt. Hier gibts Auszüge aus dem spannenden Interview.

Dr. Malte Rubach: zur Person

Unser Interviewpartner Dr. Malte Rubach ist Ernährungswissenschaftler und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit den Themen Ernährung, Gesundheit, Nachhaltigkeit und Innovation. Er ist Autor diverser Bücher zu diesen Themen, u. a. von "Die Ökobilanz auf dem Teller".

Malte, heute wollen wir über Nachhaltigkeit und Ökobilanzen von Lebensmitteln reden. Und konkret über Milch und Pflanzendrinks. Muss man für einen Vergleich vor allem die Energiekosten der Lebensmittel anschauen?

Nachhaltigkeit wird heute definiert als eine ökologische, eine ökonomische und eine soziale Dimension: Jede:r muss Geld verdienen, damit er überleben kann, sich ernähren kann etc. Das ist die ökonomische Dimension. Die soziale Dimension betrifft auch die Gesundheit sowie das Individuum und dafür ist eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen notwendig. Es kommt also darauf an, nicht nur die ökologische Dimension zu betrachten, also z. B. nicht immer nur zu vergleichen: Wie sind die Umwelteffekte von einem Liter Milch und einem Liter Pflanzendrink? Sondern auch zu gucken, wie viele Nährstoffe in jedem dieser Getränke stecken.

Und wie sieht das konkret aus: Viel Protein, viel Kalzium in der Milch, das kann man nicht ersetzen durch Milchimitate?

Nein, vom Proteingehalt z. B. kann der Sojadrink noch mithalten, der Rest fällt durch. Haferdrink erst recht. Auch sind die Drinks natürlicherweise nicht ausreichend mit Fetten ausgestattet, die müssen zugesetzt werden, während das Milchfett ernährungsphysiologisch durchaus einen Wert hat. Von den vielen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen der Milch im Vergleich zu Pflanzendrinks gar nicht zu reden.

Aus gesundheitlicher Sicht macht es also keinen Sinn, auf Pflanzendrinks umzusteigen, bleibt aber die Nachhaltigkeit …

Wenn wir pro Liter vergleichen, z. B. wie viele Klimagase ein Liter Haferdrink verursacht im Vergleich zum Liter Milch, dann ist das ca. die Hälfte weniger. Haferdrink ist also doppelt so "klimaeffizient", so sagt man, wie die Kuhmilch. Aber: Man darf nicht dem Trugschluss erliegen, man würde das Klima durch den reinen Ersatz von Milch durch Pflanzendrinks entlasten. Wenn man über die Reduzierung von z. B. tierischen Lebensmitteln weltweit effektiv das Klima schonen möchte, dann müsste man sagen: Jedes Land darf sein Klimakonto nur noch so weit auslasten, damit die weltweiten Klimaziele erreicht werden. Und dann stehen jeder Bürgerin/jedem Bürger im Durchschnitt nur noch so und so viele Lebensmittel zur Verfügung. Im Übrigen betrifft dies genauso die pflanzlichen Lebensmittel. Die Dosis machts am Ende aus. Wenn also jemand Pflanzendrinks trinkt, aber einen kleinen Hund zu Hause hat, reicht das schon, um jedes eingesparte Tröpfchen Milch im Exponentiellen wieder reinzuholen in Sachen Klimawirksamkeit.

Also rettet es nicht die Welt, wenn wir alle Veganer:innen werden?

Nein, es macht keinen Sinn, alle zu Veganerinnen/Veganern oder Vegetarierinnen/Vegetariern zu machen oder keine Milch mehr zu trinken. Das wird nicht den Effekt erzielen, den man sich vorstellt, und wäre nicht das Allheilmittel. Der grosse Hebel liegt nicht darin, einzelne Lebensmittel als Klimakiller zu stigmatisieren und dann durch Imitate zu ersetzen, die gar nicht die Nährstoffe liefern, die das Original hatte.

Können wir als Individuen denn das Klima gar nicht schonen?

Doch. Jede:r kann im Alltag sehr viel tun, um nachhaltiger zu leben. Hier nur ein Beispiel: Man muss sich einmal vorstellen, das, was ein Glas Milch am Tag an CO2, also an Klimagasen, verursacht, entspricht sieben Minuten Online-Streaming. Die Internetnutzung verursacht mittlerweile grob gesagt 5% der weltweiten Klimagasemissionen. Die gesamte Milcherzeugung weltweit erzeugt z. B. nur 3% der Klimagasemissionen. Das heisst also, wir können im Alltag schon Entscheidungen treffen und man kann sich fragen: Muss ich auf das Glas Milch verzichten, wenns mir schmeckt? Es ist ernährungsphysiologisch wertvoll, muss ich ein schlechtes Gewissen haben? Nein, wenn ich es nicht übertreibe. Ich muss ja nicht jeden Tag einen Liter Milch trinken.

Das ganze Interview im Podcast nachhören

Das war nur ein kleiner Auszug aus dem Interview mit Dr. Malte Rubach. Das ganze Interview kannst du im Swissmilk-Podcast nachhören: