Hofgeschichten

Der smarte Biohof

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Der smarte Biohof

Roboter und Sensoren vereinfachen der Familie Ackermann auf ihrem Biohof die Arbeit. Die Kühe entscheiden selber, wann sie Milch geben – und der Landwirt erkennt sofort, wenn ein Tier krank ist.

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Heute sind wir zu Besuch auf dem Hof der Familie Ackermann: Als Biobauern müssen sie sich an striktere Anforderungen hinsichtlich Stallgrösse, Auslauf und Futter für ihre Tiere halten. Erfahre mehr zur Biolandwirtschaft und zum porträtierten Hof.

Entspannte Kühe dank Melkroboter

Nach einem sonnigen Vormittag auf der Weide stehen die Kühe wieder im kühlen Stall. Vor den beiden Melkrobotern bildet sich langsam eine Schlange – die Kühe wollen gemolken werden. Gerade betritt Kuh Amy die Schleuse, die zu den beiden Melkrobotern führt. Eine 3D-Kamera scannt ihre Position, bevor der Roboter erst ihr Euter abwäscht und dann automatisch das Melkgeschirr ansetzt. Rund 600'000l Bio-Milch produzieren die 95 Milchkühe so pro Jahr. "Seit wir Melkroboter haben, sind unsere Kühe ruhiger", sagt Landwirt Mathias Ackermann. "Früher trieben wir sie zweimal täglich zum Melkstand. Das bedeutete teils Stress. Heute kommen die Kühe in den Melkroboter, wann ihnen danach ist. "

Der Melkroboter vereinfacht dem Landwirt die Arbeit.
Der Melkroboter vereinfacht dem Landwirt die Arbeit.

Ist eine Kuh krank, erkenne ich das sofort an ihren Werten – noch bevor ich es ihr ansehe.

Mathias Ackermann, Landwirt

Immer im Dienst

Vom technologischen Fortschritt profitieren nicht nur die Kühe. Auch seine Arbeit habe sich stark vereinfacht, sagt der 34-Jährige. Ein Sensor am Halsband jeder Kuh zeichnet genau auf, ob sie gerade frisst, wiederkaut, trinkt oder schläft. Algorithmen berechnen so den Gesundheitszustand des Tiers – und Ackermann ist mit einem Blick auf sein Smartphone informiert. "Ist eine Kuh krank, erkenne ich das sofort an ihren Werten – noch bevor ich es ihr ansehe." Schlägt das Handy Alarm, ist Ackermann sofort zur Stelle, auch mitten in der Nacht.

Zu Hause arbeiten

Trotz digitaler Unterstützung: Die Arbeitsintensität ist hoch. "Bis vor Kurzem hatte ich einen Bürojob in einem Milchhandelsbetrieb in Zürich. Natürlich hatte ich da mehr Freizeit – ausgelastet war ich aber nicht", sagt Ackermann. Nachdem im Herbst 2019 Sohn Luan auf die Welt gekommen ist, hat Ackermann im Jahr darauf den Schlatthof von seinem Vater übernommen. Dieser hilft noch immer mit und Ackermanns Frau kümmert sich um den Hofladen. "Es ist schön, etwas Eigenes zu haben und meine Familie auch tagsüber zu sehen."

Die Milchkartons mit eigenem Label sind für Coop.

Die Milchkartons mit eigenem Label sind für Coop.

Hohe Temperaturen

Auch hinter dem Stall herrscht reger Betrieb. Ackermann zeigt auf einen kleinen Raum, in dem Mitarbeiter und Maschinen Milch abpacken – Liter um Liter. "Hier in unserer Molkerei erhitzen wir einen Teil der Milch auf 75 Grad, um Past-Milch herzustellen", erklärt er. Eine Maschine faltet die mit dem Schlatthof-Label bedruckten Kartons und füllt die Milch direkt ab. "Sie ist für Coop bestimmt. Es ist schön, das eigene Produkt dort in den Regalen zu sehen." Die restliche Milch wird alle zwei Tage in Rohmilch-Qualität von Grosshändlern abgeholt.

Unsere Kühe

Der Speiseplan einer Milchkuh

Die mit den Kamelen

Der Biohof ist nicht nur Milchbetrieb, sondern auch Ausflugsziel. Herzstück sind Hofladen und Gartenbeiz. Hier bedienen sich gerade zwei Spaziergängerinnen am Kaffeeautomaten. Auch hofeigene Glace, Joghurt oder Frischkäse sind im Angebot. "An sonnigen Wochenenden haben wir viele Besucher", sagt Ackermann. Diese freuen sich, dass der riesige Kuhstall frei zugänglich ist und sie die Tiere hautnah erleben können. Auch Esel und sogar zwei Kamele ziehen Familien an. "Man kennt uns in der Umgebung als 'die mit den Kamelen'", lacht Ackermann. Sultan und Amadeus – so heissen die beiden Tiere – leben schon seit Jahren auf dem Hof und seien ein "Hobby" seines Vaters Erwin.

Die Kamele verlieren gerade ihr Winterfell.

Die Kamele verlieren gerade ihr Winterfell.

Blickfang Bio-Hopfen

Auch sonst trägt der Hof noch immer stark die Handschrift von Erwin Ackermann. Sein Baby ist der Hopfengarten. Die Ackermanns sind die einzigen Bio-Hopfen-Produzenten in der Schweiz: Trinkt man heimisches Bio-Bier, stammt der Rohstoff von den Feldern des Schlatthofs. "Der Anbau von Bio-Hopfen ist extrem arbeitsintensiv, weil die Pflanzen anfällig sind für Schädlinge und Krankheiten. Dieses Jahr kränkelt er, weil der Frühling so feucht war", sagt Erwin Ackermann. Er hat sich auf sein Velo geschwungen, um mir die Felder unweit des Hofs zu zeigen. Sie sind ein Blickfang: An Gerüsten klettern die Pflanzen empor, die bis zur Erntezeit im Herbst acht Meter hoch werden. Das zieht jedes Jahr viele Interessierte an. Auch das Fernsehen war schon zu Besuch.

Der Hopfen wird acht Meter hoch.

Der Hopfen wird acht Meter hoch.

Effizienz steigern

Hinter dem breiten Angebot steckt nicht nur Leidenschaft, sondern auch wirtschaftliche Überlegung: "Damit minimieren wir das finanzielle Risiko, wenn es in einem Bereich mal schlecht läuft", sagt Mathias Ackermann. Sein Ziel ist es, Effizienz und Margen auf seinem Hof noch etwas zu steigern. "Die Molkerei bringt einen grossen logistischen Aufwand mit sich. Womöglich reduzieren wir ihren Betrieb und setzen künftig noch stärker auf Rohmilch für den Grosshandel und eigene Produkte für den Hofladen." Dann hätte der Landwirt noch mehr Zeit für die Familie.

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Tierfreundliche Milchkuhhaltung

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