Milch­han­delMarkt­ak­teu­re & Struk­tu­ren

Im Milchhandel ist entscheidend, wer dem Bauern die Milch bezahlt, wo der Erfüllungsort ist und wer die Milch transportiert. Von der Stalltür bis zum Verarbeiter gibt es für die Milch viele verschiedene Handelswege.

Viel­fäl­ti­ge und ver­schlun­ge­ne Wege im Milch­han­del

Direkter Milchhandel: Bei der Käsereimilch ist der Käser oder die Genossenschaft der Erstmilchkäufer.

Zwischen Milchproduzent und Milchverarbeiter gibt es sowohl direkte als auch indirekte Handelsbeziehungen. Je nachdem, wer die Milch transportiert und bezahlt, sind die Wege unterschiedlich. Für den Milchhandel entscheidend ist der sogenannte Erfüllungsort, wo der Übergang von Nutzen und Schaden vom Verkäufer auf den Käufer stattfindet. Wird die Milch ab Hof abgeführt, ist der Bauernhof der Erfüllungsort. Oder die Käserei beziehungsweise Sammelstelle, wenn der Bauer die Milch dorthin bringt.

Milch­trans­port: Mit der Kanne in die Käserei oder mit dem Tank­last­wa­gen ab Hof

Zwischen Stalltüre und Milchverarbeiter legt die Milch unterschiedliche Wege zurück. Die grösste Bedeutung für den Milchhandel haben folgende Transportwege:

  • Der Bauer bringt die Milch direkt an die Rampe des Milchverarbeiters. Dieser Weg ist dort verbreitet, wo im Dorf oder in der näheren Umgebung eine Käserei oder ein lokaler Milchverarbeiter ist.
  • Der Bauer bringt die Milch auf einen Sammelplatz oder in eine Sammelstelle. Bei Sammelplätzen wird die Milch direkt auf den Lastwagen umgepumpt, bei Sammelstellen in einem Tank zwischengelagert. Der Lastwagen transportiert die Milch zum regionalen, überregionalen oder nationalen Milchverarbeiter.
  • Der Bauer lagert die gekühlte Milch in seinem Hoftank, bis der Lastwagen sie abholt und zum Verarbeiter transportiert.
  • Die Transportlogistik mit Einsammeln der Milch und dem Transport zum Verarbeiter erfolgt entweder direkt durch den Milchhändler oder den Milchverarbeiter selbst oder durch spezialisierte Milchtransportunternehmen im Auftrag der Produzenten oder der Milchkäufer.

Der Erst­milch­käu­fer bezahlt dem Bauern die Milch

Im Milchhandel gibt es den sogenannten Erstmilch- und Zweitmilchkauf. Der Erstmilchkäufer ist derjenige Akteur, welcher die Milch direkt beim Milchproduzent kauft und das Milchgeld bezahlt. Erstmilchkäufer sind in der Regel:

  • Käser, Kleinmolkereien oder Käsereigenossenschaften;
  • überregionale und nationale Milchverarbeiter, wenn zwischen Produzenten und Verarbeitern Beziehungen als Direktlieferanten bestehen;
  • Zusammenschlüsse von Milchproduzenten zu einem Milchpool, sogenannte Produzentenorganisationen (PO);
  • private Milchhändler.

Zum Zweitmilchkauf kommt es, wenn Erstmilchkäufer die Milch an die Verarbeiter verkaufen oder wenn Verarbeiter untereinander Milch handeln, um die eingekaufte Milch an den eigenen Verarbeitungsbedarf anzugleichen.

Für den Erstmilch- und Zweitmilchkauf gelten bestimmte Handelsusanzen. Die Organisationen der Marktakteure (SMP, Fromarte, VMI) regeln diese Anforderungen in der "Vereinbarung zur Ausgestaltung der Milchkaufverträge", den sogenannten "Eckwerten für den Milchkauf".

Milch bündeln und ver­mark­ten

Über die Handelsvolumen der einzelnen Marktorganisationen im Erstmilch- und Zweitmilchkauf gibt es keine verlässlichen Daten. Die Information beruht deshalb auf Angaben der Erstmilchkäufer und auf Schätzungen. Viele grosse Produzenten-Organisationen bündeln in ihrem Milchpool nebst dem Erstmilchkauf für die Industriemilch auch die Milch der Käsereimilch-Produzenten. Hier findet der Erstmilchkauf zwar zwischen Produzenten und Verarbeiter direkt statt, doch oft wird die Einschränkungsmilch der Käsereien dann über den Pool vermarktet.
Einzelne Milchhändler sind zudem auch im Zweitmilchkauf tätig. Und schliesslich beschaffen die meisten Milchverarbeiter mit einer Direktlieferanten-Struktur zusätzlich benötigte Mengen über den Milchhandel.

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