Hofgeschichten

Hühner, Hörner, Hüsliguet

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Hühner, Hörner, Hüsliguet

Die Vorlieben der Konsumenten ändern sich rasant, die Landwirtschaft wird schnelllebiger. Biobauer Hannes Hefti setzt dennoch auf langfristige Strategien: robuste Rassen und Direktverkauf ab Hof.

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Heute sind wir zu Besuch auf dem Hof der Familie Hefti: Als Biobauern müssen sie sich an striktere Anforderungen hinsichtlich Stallgrösse, Auslauf und Futter für ihre Tiere halten. Erfahre mehr zur Biolandwirtschaft.

Milchleistung ist nicht das Wichtigste.

Viel Holz. Sonnenlicht, das durch milchige Scheiben dringt. Heustaub in der Luft. Trotz seiner Grösse wirkt der Kuhstall heimelig. Das imposante Gebäude ist das Herzstück des Hofs Hüsliguet. Neben rund 30 Kühen, die gerade auf der Weide nebenan grasen, wohnen hier noch vier Kälber und zehn Jungrinder. Hannes Hefti erklärt: "Wir haben Kühe, die Fleisch und Milch produzieren. Darum ist bei uns die Milchleistung nicht das Wichtigste."

Alle packen mit an – im Stall und auf der Weide.
Alle packen mit an – im Stall und auf der Weide.

Bauer in vierter Generation

Hannes Hefti ist Bauer in vierter Generation. Zusammen mit seiner Frau Sandra führt er den Hof Hüsliguet, einen Biobetrieb im glarnerischen Mitlödi. Hier bin ich heute zu Besuch. "Wir haben den Betrieb 2013 von meinem Vater übernommen", erzählt Hannes Hefti. "Den neuen Kuhstall haben wir kurz darauf gebaut." Er nimmt mich mit auf einen Rundgang, die Kinder Hannes Junior, Ruedi, Daniel und Sereina immer im Schlepptau. Vier Blondschöpfe in Edelweisshemden, die barfuss um uns herumwuseln – es ist ein bisschen wie im Bilderbuch.

Unsere Tiere erhalten nur Raufutter vom Hof, also Gras, Heu und Silage.

Hannes Hefti, Biobauer

Gras und Heu auf dem Speiseplan

Wie gemalt sehen auch die Kühe mit ihrem glänzenden, graubraunen Fell aus. Dass alle Tiere ihre Hörner tragen, ist für Hannes Hefti selbstverständlich. Die Familie hält original Braunvieh. Das ist eine robuste Rasse, die von Natur aus eine etwas geringere Milchleistung erbringt. Daran will Hannes Hefti auch nichts ändern: "Unsere Tiere erhalten nur Raufutter vom Hof, also Gras, Heu und Silage. Damit kommt die Rasse sehr gut zurecht, was ihr im Sommer auf der Alp zugutekommt."

Kühe mit Hörnern sind auf Hof Hüsliguet selbstverständlich.
Kühe mit Hörnern sind auf Hof Hüsliguet selbstverständlich.
Unsere Kühe

Hörner: ja oder nein?

Käse von der Alp …

Während die Kinder mit den Hunden Kira und Sina im Heu herumtollen, erzählt mir Hannes mehr über seinen Betrieb: "Den Sommer verbringt das Vieh auf der Alp Guetbächi zuhinterst im Linthal." Die Alp hat drei Stafel – drei Weiden mit Alphütten in verschiedenen Höhenlagen. Das Vieh ist immer dort, wo es gerade genug zu fressen findet. Hannes ist den ganzen Sommer über auf der Alp, seine Frau und die Kinder sind während der Sommerferien und an den Wochenenden auch anzutreffen. "Auf der Alp bin ich fürs Käsen zuständig", sagt er. Dabei wird er jeweils von einer Mithilfe unterstützt. Den Alpkäse verkauft die Familie in ein paar regionalen Geschäften und im eigenen Hofladen.

… und Milch aus dem Automaten

Dort, im Hofladen, bedienen sich die Kinder gerade am Süssmost – nur eines von vielen Produkten. Die Familie Hefti bietet auch Alpbutter, Rohmilch aus dem Milchautomaten, Frischkäse, Quark, Glace, Honig und Brennholz an – und auch Teigwaren und Eier sind zu finden. Denn vor zwei Jahren haben sie die Legehennen-Herde von 300 auf 2'000 Tiere aufgestockt; untergebracht sind sie im alten Kuhstall. Wir schauen kurz vorbei. Heute halten sich die Hühner vornehmlich im Wintergarten auf – nicht, weil sie nicht nach draussen könnten, sondern weil sie nicht wollen. Hannes Hefti erklärt: "Da die Sonne voll vom Himmel brennt, ziehen sich die meisten lieber in den Stall zurück."

Käse von der Alp Guetbächi gibts im Hofladen.

Käse von der Alp Guetbächi gibts im Hofladen.

Die Hühner als zusätzlicher Betriebszweig

Die Hühner sind die Lösung für eine betriebliche Herausforderung. Denn wenn Hannes Hefti den ganzen Sommer auf der Alp ist, muss jemand das Heu für den Winter einbringen. Dank des zusätzlichen Betriebszweigs ist es finanziell möglich, Hannes’ Bruder Köbi auf dem Hof anzustellen. Ohnehin ist der Hof Hüsliguet eine Familienangelegenheit: Die Alp Guetbächi pachtet Hannes zusammen mit seinem anderen Bruder Thomas. Dessen Frau wiederum stellt den Quark und den Frischkäse her, der im Hofladen der Heftis verkauft wird. Und ums Brennholz kümmert sich der Vater der Brüder.

2'000 Legehennen leben auf dem Hof der Familie Hefti.

2'000 Legehennen leben auf dem Hof der Familie Hefti.

"Das ist ehrliche Arbeit."

Das Zusammensein mit der Familie ist ein Aspekt, den Hannes Hefti an seinem Beruf sehr schätzt. "Ich sehe die Kinder oft, nicht nur am Feierabend. Ich bin mein eigener Chef und kann auch mal einen Schwatz halten, wenn mir danach ist", sagt er, mittlerweile am gemütlichen Küchentisch im Wohnhaus sitzend. Es gefällt ihm, Produkte von A bis Z selber herzustellen. "Ich finde, das ist ehrliche Arbeit." Sie hat aber auch ihre Herausforderungen: "Die Büroarbeit hat massiv zugenommen und ist komplizierter geworden", berichtet er. Und: Die Landwirtschaft sei heute schnelllebiger als früher, weil sich die Vorlieben der Konsumentinnen und Konsumenten stetig verändern.

Unsere Kühe

Unsere Top 7: Kuhrassen

Überall ein bisschen mitmischen

Das veränderte Konsumverhalten hat spürbare Auswirkungen auf den Betrieb der Familie Hefti. "Ich denke, man kann sich heute nicht mehr einfach auf etwas spezialisieren und dann darauf hoffen, dass das in fünf, zehn oder 20 Jahren noch gefragt ist. Ich versuche darum, mit unserer Produktevielfalt überall ein bisschen mitzumischen." Das nächste Projekt der Familie ist der Bau eines eigenen Verarbeitungsraums. Was genau im neuen Verarbeitungsraum entstehen wird, wollen Hannes und Sandra Hefti noch nicht preisgeben, die Teigwarenproduktion ist sicher ein Teil davon.

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