Schweizer Milch

"Glücklich sein": Lea wird Landwirtin

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"Glücklich sein": Lea wird Landwirtin

Der Landdienst auf dem Hof in Lenk gefiel Lea so gut, dass sie beschloss, eine Ausbildung zur Landwirtin in Angriff zu nehmen. Wir haben Lea durch ihren spannenden Alltag auf dem Bauernhof begleitet.

Kühe gehen ruhig im Takt.

Dass Hunde bei Fuss gehen können, ist nichts Neues. Aber dass eine Kuh das auch erlernen kann, ist doch erstaunlich. Dabei liegt es eigentlich auf der Hand: Es ist wichtig, dass Kühe ruhig im Takt mit ihrer Bezugsperson gehen können, schliesslich müssen sie oft in Fahrzeuge verladen werden. Zum Beispiel, wenn sie auf die Alp fahren oder wenn sie auf einen anderen Hof wechseln. "Da sollen sie ihren Menschen vertrauen, die sie am Halfter führen", erklärt Lea.

 

Körpergrösse spielt beim Holzen keine Rolle.

Lea steht zwar erst am Anfang ihrer Ausbildung, doch ihre Handgriffe wirken bereits routiniert. Sie nimmt ein Holzscheit in die eine Hand, die Axt in die andere. Unwillkürlich hält man ob des scharfen Beils den Atem an – ob das wohl gut geht? Lea wirkt mit ihrer Körpergrösse von 164 cm fast zu zierlich für diese schwere Körperarbeit. Doch mit einem gekonnten Schwung saust das Beil durch die Luft und das Holzscheit springt entzwei. Und schon steht das nächste auf dem Holzblock. "Körpergrösse spielt beim Holzhacken keine Rolle. Was zählt, ist die richtige Mischung aus Kraft und Technik", erklärt Lea.

Abwechslungsreiche Arbeitstage. Auch Schleifen und Holzhacken gehören dazu. (Fotos: Joseph Khaskshouri)
Abwechslungsreiche Arbeitstage. Auch Schleifen und Holzhacken gehören dazu. (Fotos: Joseph Khaskshouri)

Sicherheit steht im Zentrum – doch Spass muss sein.

Auch den Traktor und grössere Maschinen bedient Lea schon so selbstverständlich, als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht. Sicherheit steht dabei immer an oberster Stelle: Wenn sie die Mähmesser schleift, trägt sie ihre persönliche Schutzausrüstung, bestehend aus Gehörschutz und Schutzbrille. "An anderen Maschinen kommen noch Handschuhe hinzu." Und wenn Lea in der Scheune mit dem grossen Heukran die Heuballen bewegt, weiss sie genau, worauf besonders zu achten ist: Es darf sich niemand unter der Ladung befinden. Auch sind Leas lange blonde Haare stets zum Zopf geflochten oder unter einer Mütze versteckt, damit sie nicht in eine Maschine geraten.

Der Stall muss sauber sein.

Lea erzählt uns, dass sie alle Arbeiten, die es auf einem Hof zu tun gibt, gerne macht, das habe sie bereits im Landdienst gemerkt. "Ganz ehrlich? Sogar Stallausmisten macht Spass?", fragen wir nach. Die Antwort fällt eindeutig aus: "Damit die Tiere sich wohlfühlen, muss der Stall sauber und ordentlich sein. Ausmisten ist daher eine sehr sinnvolle Arbeit!" Ihre Lieblingsarbeit ist das Scheren. Weil Kühe nicht schwitzen können, tut es ihnen gut, wenn man sie im Frühling und Sommer schert. "Dann haben sie weniger heiss und auch weniger Parasiten." Dafür gibt es spezielle Maschinen, die ein wenig so aussehen wie Haarschneidemaschinen für Menschen. "Meistens wird nur der Rücken geschert, wenn es im Sommer aber sehr heiss wird, der ganze Körper."

Hohe Konzentration. Auch beim Umgang mit frischer Milch

Hohe Konzentration. Auch beim Umgang mit frischer Milch

Möglichst viele Erfahrungen sammeln

Ihr Lehrbetrieb ist mit seinen dreiundzwanzig Kühen, acht Hühnern und einem Güggel eher klein. Das dazugehörende Land ist steil und erfordert viel Handarbeit. Da es wichtig ist, während der Ausbildung verschiedene Betriebe kennenzulernen, um einen möglichst breiten Erfahrungsschatz zu sammeln, wird Lea das zweite Lehrjahr auf einem anderen Hof verbringen. Dieser befindet sich in Schenkon (LU), wo sie flacheres Land sowie verschiedene Ackerkulturen – Mais, Brotweizen und sogar Tabak sowie Reben – kennenlernen wird.

Fürs dritte Lehrjahr wird sich Lea in ein spezifisches Thema vertiefen. Was das genau sein wird, steht noch in den Sternen. "Vielleicht Alpkäserei oder Viehzucht?" Oder etwas ganz anderes. Etwas, das sie jetzt noch nicht einmal kennt?

Ich will glücklich sein mit dem, was ich mache.

Lea Niederberger, angehende Landwirtin

Lehre mit Familienanschluss und offener Zukunft

Lea wohnt während der Woche auf ihrem Lehrbetrieb. Sie spart so Fahrzeit und kann ein bisschen länger schlafen. Denn schon um halb sechs morgens ist Stallarbeit angesagt. Das ist der Tiere wegen sehr früh, doch ihr Arbeitstag hat viele Pausen und eine längere Mittagszeit. Ausserdem hat Lea jedes zweite Wochenende frei – dann sogar gleich drei Tage am Stück.

Stallarbeit, Familie und Lernen. Ein Spagat.
Stallarbeit, Familie und Lernen. Ein Spagat.

Auf gute Noten achten

Im Moment verbringt Lea jede freie Minute mit Mona, der kleinen Tochter ihrer Lehrfamilie. "Sie ist so ein Schatz", schwärmt sie. Zum Lernen bleibt ihr vor allem am Abend Zeit. Lea ist sehr diszipliniert und will im Leben etwas erreichen. Ihr Fleiss zahlt sich aus: Bisher hatte Lea in allen Fächern sehr gute Noten. Viel wichtiger ist ihr aber, glücklich zu sein mit dem, was sie tut. Was nach der Lehre sein wird, weiss sie jetzt noch nicht, aber Ideen hat sie jede Menge: Vielleicht einen Sommer auf einer Alp verbringen oder ein Jahr in Australien oder Kanada auf einer Farm. Oder die Berufsmatur machen und studieren? Das ist auch der Grund, warum Lea auf gute Noten achtet. Sie will sich alle Wege offenhalten. Aber es ist für sie auch eine Frage des Prinzips: "Wenn ich schon lerne, dann richtig!" Sich richtig reinknien in das, was sie tut, ist vielleicht ihr ganz persönliches Geheimrezept, warum sie so zufrieden und glücklich mit ihrem Leben ist.

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