Medienmitteilung – Milchmarkt

SMP-Vor­stand erörtert Situation auf dem Milch­markt und be­schliesst weitere Mass­nah­men

11.03.2015 – Der Vorstand der Schweizer Milchproduzenten SMP hat sich an seiner heutigen Sitzung eingehend mit der äusserst schwierigen Situation auf dem Milchmarkt befasst und über Massnahmen zur Stabilisierung und Verbesserung der Situation entschieden. Von zentraler Bedeutung ist, dass es nun keine weiteren Preissenkungen mehr gibt und Verbesserungen am Markt und bei den Wechselkursen ohne Verzug an die Milchproduzenten weitergegeben werden. Dazu hat der Vorstand zur Stützung des Absatzes und als Reaktion auf die ausserordentliche Situation mit der Frankenstärke eine Marketingoffensive beschlossen, die das Swissmilk-Marketing zurzeit zusammen mit den Partnern der Wertschöpfungskette vorbereitet. Im Weiteren sind auch der Bund und die Politik gefordert, ihre Verantwortung wahrzunehmen.

Desolate Situation für die Molkereimilchproduzenten
Seit dem vergangenen Sommer haben sich die negativen Faktoren am Milchmarkt kumuliert: Massiv gesunkene Preise auf den globalen und europäischen Märkten als Folge der weltweit hohen Produktion bei verhaltener Nachfrage, dazu rekordhohe Milcheinlieferungen 2014 auch in der Schweiz und dann am 15. Januar zusätzlich noch die Aufhebung der Wechselkurs-Untergrenze des Frankens zum Euro. Während die Preise bei den Sortenkäsen und der silofreien Milch recht gut gehalten werden konnten, hat die Preisspirale bei der Molkereimilch seit Oktober 2014 dramatisch gegen unten gedreht. Zu den Preisen, wie sie derzeit realisiert werden, können auch sehr gut strukturierte und rationell geführte Milchbetriebe bei weitem nicht mehr wirtschaftlich Milch produzieren. Mit dazu beigetragen haben auch die massiven Einbussen bei den Direktzahlungen, die viele professionelle und auf die Zukunft ausgerichtete Milchproduzenten mit der Agrarpolitik 2014/17 hinnehmen mussten, während sich auf Seiten der Faktorpreise nur wenig bewegt hat. 

Keine weiteren Milchpreissenkungen!
Der Vorstand der SMP fordert mit Nachdruck, dass die Preise in dieser ausserordentlichen Situation unter keinen Umständen mehr weiter gesenkt werden. Er bekräftigt damit die Forderungen der Milchproduzenten an die Adresse der Milchverarbeiter, des Detailhandels und der weiteren Marktpartner, die Situation nicht zulasten der Milchproduzenten auszunutzen. Alle Beteiligten der Wertschöpfungskette müssen zudem ihren Beitrag leisten, dass von den seit Mitte Januar bereits wieder eingetretenen Verbesserungen bei den Wechselkursen wie auch auf den internationalen Milchmärkten laufend und ohne Verzug auch die Milchproduzenten profitieren können. Es kann nicht im Interesse der Milchverarbeiter und der nachgelagerten Stufen sein, dass Milchproduzenten, die eigentlich gute Zukunftsperspektiven hätten, wegen ihrem Marktverhalten in grosser Zahl aus der Milchproduktion aussteigen. Die BO Milch hat mit ihrem Entscheid, den A-Richtpreis unverändert zu belassen, diesbezüglich ein wichtiges Zeichen gesetzt. Vertrauen kann aber nur geschaffen werden, wenn der Entscheid von der gesamten Branche auch respektiert und umgesetzt wird.

Marketingoffensive für Schweizer Milchprodukte
Der SMP-Vorstand hat als Reaktion auf die ausserordentliche Situation mit der Frankenstärke beschlossen, den Absatz von Schweizer Milch und Milchprodukten durch ausserordentliche und gezielte Massnahmen am Verkaufspunkt zusätzlich zu fördern und die Kommunikation der Vorzüge der Schweizer Milchprodukte zu verstärken. Die Konsumentinnen und Konsumenten sollen damit zum Einkauf von Schweizer Produkten in der Schweiz animiert werden. Die Massnahmen werden zurzeit vom Swissmilk-Marketing zusammen mit Milchverarbeitern, Detailhändlern und weiteren Partnern vorbereitet und nach den notwendigen Vorbereitungsarbeiten im Mai gestartet. Eine separate Medienmitteilung des Swissmilk- Marketings speziell zu diesen Massnahmen folgt demnächst.

Segmentierung korrekt um- und konsequent durchsetzen
Wichtig war vorletzte Woche auch der Entscheid im Vorstand der BO Milch, die Segmentierung unverändert weiterzuführen, korrekt umzusetzen und dafür beim Bundesrat die Verlängerung der Allgemeinverbindlichkeit zu beantragen. Auch hier erwarten die Milchproduzenten, dass dieser Beschluss von der gesamten Branche konsequent umgesetzt wird und wo notwendig Korrekturmassnahmen getroffen oder Sanktionen ausgesprochen werden.
Allerdings ist zu beachten, dass die Segmentierung kein Instrument zur Mengenführung oder Angebotssteuerung auf Stufe Milchproduktion ist. Ein Rückgang der Milchmenge wird erst dann und erfahrungsgemäss mit einiger Verzögerung erfolgen, wenn die Milchproduzenten auf die tieferen Preise reagieren und von sich aus weniger abliefern, sei es beispielsweise, indem sie weniger Kühe halten oder mehr Milch an Kälber verfüttern.

Massnahmen zur Marktstabilisierung weiterhin nötig
Da das Milchangebot saisonal in den kommenden Wochen nicht zurückgehen wird und zusätzliche Einschränkungsmilch aus den Käsereien verfügbar sein wird, ist es zweckmässig und nötig, die Massnahmen zur Marktstabilisierung weiterzuführen. Durch diese temporäre Marktentlastung kann in der Zeit mit saisonal grosser Milchmenge der Milchmarkt gestützt und Wertschöpfung für die gesamte Branche erhalten werden. Der SMP-Vorstand hat zur Weiterführung der Massnahme in den kommenden Wochen die nötigen Beschlüsse gefasst.

Auch der Bund und die Politik sind in der Pflicht
Der SMP-Vorstand erwartet vom Bund und von der Politik, dass die Forderungen, welche die Branche am 29. Januar 2015 und ebenfalls der Schweizer Bauernverband eingereicht haben, rasch umgesetzt werden. Die Erhöhung der Erstattungsansätze beim Schoggigesetz auf 85 Prozent ist inzwischen vollzogen. Der Bundesrat beantragt nun einen Nachtragskredit. Die Bewilligung und die Festlegung der Höhe des Nachtragskredites zum Budget 2015 durch das Parlament sind noch offen. Dazu erwartet die Branche, dass sich der Bund finanziell auch angemessen an den ausserordentlichen Marketingmassnahmen der Switzerland Cheese Marketing AG und der SMP beteiligt, die wegen der Aufhebung der Wechselkurs-Untergrenze notwendig geworden sind, um gravierende Wertschöpfungs- und Marktanteilsverluste im Inland wie auch im Export zu verhindern.

Weitere Aus­künf­te

Hanspeter Kern
Präsident
079 418 52 16

Kurt Nüesch
Direktor
031 359 52 11
079 661 41 59

Stephan Hagenbuch
Stv. Direktor
079 292 97 52

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