Medienmitteilung – Milchproduktion

Für die Milch­bran­che wird es zunehmend dra­ma­tischFolgen der Wech­sel­kurs­frei­ga­be

30.01.2015 – Die gravierenden Auswirkungen der Freigabe der Wechselkursuntergrenze zum Euro werden wie in anderen Branchen auch im Milch- und Käsesektor immer deutlicher sichtbar. Primär ist die gesamte Milchbranche gefordert, gemeinsame Lösungen zu suchen, um den Schaden zu begrenzen und die Einbussen fair zu verteilen. Dies wird aber bei weitem nicht ausreichen, um die Krise allein zu bewältigen. Es braucht dazu auch die Hilfe durch den Staat.

Die Auswirkungen der Freigabe der Wechselkursuntergrenze auf die Milch- und Käsebranche und die Produzenten werden immer deutlicher sichtbar. Es geht nun nicht mehr nur um markante Einkommenseinbussen und einen etwas beschleunigten Strukturwandel, sondern um viele Existenzen; zunehmend auch von gut strukturierten und rationell wirtschaftenden Betrieben. Bereits die massiven Einbussen an Direktzahlungen, welche die produktionsorientierten Milchbetriebe mit der Agrarpolitik 2014-17 verkraften müssen, und dazu die einschneidenden Milchpreiskürzungen seit letztem Herbst aufgrund der Entwicklung der internationalen Milchmärkte sind ein harter Schlag, der nur schwer zu verkraften ist. Und nun die weiteren Preiskürzungen aufgrund der Wechselkursfreigabe.

Gesamte Milchbranche in Verantwortung
In erster Linie ist in dieser äusserst schwierigen Situation die gesamte Milchbranche gefordert. Da dürfen wir feststellen, dass bei den verschiedenen Käse-Sortenorganisationen die Verhandlungen geführt und die Lösungen teilweise auch bereits festgelegt werden konnten. Bei der Industriemilch dürfen nur dort Preise gesenkt werden, wo es zur Verhinderung grosser Marktanteilsverluste insbesondere im Export notwendig ist. Nach den guten Ergebnissen des letzten Jahres erwarten wir von den Unternehmen, dass sie nun auch ihren angemessenen Anteil zur Bewältigung dieser Krise leisten. Die Milchproduzenten verlangen mit Recht, dass ihre Vermarktungsorganisationen diesen Beitrag von ihren Abnehmern mit Nachdruck einfordern. Im Übrigen bleibt auch die Forderung bestehen, dass die Segmentierung korrekt umgesetzt wird und so einen Beitrag zur Systemstabilität leistet.

Auch Detailhandel in Schlüsselrolle
Auch vom Detailhandel und anderen Abnehmern erwarten die Milchproduzenten, dass sie ihren Beitrag leisten und im Inland auf Preissenkungen verzichten, wo dies die direkte Konkurrenzierung durch Importprodukte zulässt. Im Inland wollen wir die Marktanteile von Schweizer Produkten auch in dieser Situation halten. Der Verzicht auf Preissenkungen gilt insbesondere auch für die Käsespezialitäten, bei denen Massnahmen getroffen werden müssen, um nicht massive Einbussen beim Export zu erleiden. Es wäre unverantwortlich und unverständlich, wenn die Gelegenheit jetzt ausgenutzt würde, um Preise in diesen Segmenten zu senken und unnötig Wertschöpfung in der Schweiz zu vernichten.

Wir sind überzeugt, dass die grosse Mehrheit der Konsumentinnen und Konsumenten die hohe Schweizer Qualität schätzt und weiter bereit ist, dafür den angemessenen Preis zu bezahlen. Dafür sind Ihnen die Schweizer Bauern auch dankbar.

Milchproduktion weiter und auch kurzfristig optimieren
Die Milchproduzenten sind gefordert, ebenfalls ihren Beitrag zur Bewältigung der unerwartet schwierigen Situation zu leisten, indem sie Milch beispielsweise in den kommenden Monaten über die Kälbermast verwerten oder die Lieferung drosseln, wo dies bei den gesunkenen Milchpreisen sinnvoll und ohne bedeutende wirtschaftliche Einbusse möglich ist. Es wäre fatal, wenn Milchproduzenten auf die tieferen Preise nun noch mit einer Steigerung der Milchmenge reagieren würden. Die geringeren Milcheinlieferungen deuten darauf hin, dass viele Milchproduzenten die wirtschaftlich richtigen Schlüsse bereits gezogen und entsprechend reagiert haben. Sie werden zudem noch mehr als bisher gefordert sein, die Möglichkeiten zur Kostensenkung konsequent zu nutzen, insbesondere auch beim Einkauf ihrer Produktionsmittel, welche nun durch die Frankenaufwertung billiger werden. Die Massnahmen zur Marktstabilisierung mit Mitteln der Milchproduzenten, die im November beschlossen wurden, sind nun noch dringlicher und völlig unerwartet wichtiger geworden. Die LactoFama AG hat deshalb beschlossen, den Markt durch Aufkauf von Milch bereits ab nächster Woche zu entlasten. Diese Massnahme bleibt jenen vorbehalten, welche LactoFama angeschlossen sind.

Eingabe an Bundesrat
All diese Massnahmen reichen aber bei weitem nicht aus, um gravierende Einbussen abzuwenden und die ausserordentlichen Herausforderungen allein zu meistern. Die SMP hat deshalb gestern zusammen mit den Branchenpartnern und gemeinsam mit dem Schweizer Bauernverband beim zuständigen Bundesrat ein Paket mit ergänzenden politischen Forderungen eingereicht. Zu diesem Paket hat BO Milch www.ip-lait.ch gestern informiert. Es geht hier auch darum, eine nicht umkehrbare Zerstörung von politisch gewollten und den Schweizer Verhältnissen angepassten Produktionsstrukturen im grossen Stil zu verhindern. Dazu braucht es Sofortmassnahmen der Politik, danach aber auch Korrekturen bei der Ausrichtung der Agrarpolitik, um unter den gegebenen Rahmenbedingungen ungewollte Entwicklungen zu korrigieren.

Weitere Aus­künf­te:

Kurt Nüesch
Direktor
031 359 52 11
079 661 41 59

Stephan Hagenbuch
Stv. Direktor, Kommunikation
031 359 54 11
079 292 97 52

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