Medienmitteilung – Milchmarkt

SMP Milch­fo­rum 2011 an der Swiss'ex­poMarkt­an­tei­le versus Pro­du­zen­ten­milch­preis: Kon­tro­ver­se zwischen Bauern und Milch­ver­ar­bei­tern hält an.

13.01.2011 – "Mehrwert für Schweizer Milch" lautete das Thema des zweiten SMP Milchforums. Mehrwert lässt sich nicht nur mit Schweizer Käsespezialitäten erzielen, sondern zunehmend auch mit spezifisch aus der Milch entnommenen Zusatzstoffen für die Lebensmittelindustrie. Darin sind sich die CEO der Unternehmen Cremo, Hochdorf und Camille Bloch einig. Und sie zählen auch auf die Qualitäts- und Image-Werte von Schweizer Milch. Und noch in einem weiteren Punkt sind sich die Verarbeiter einig: Damit sie wettbewerbsfähig bleiben, benötigen sie billigere Milch um die Kapazitäten auslasten und im Export wachsen zu können. Um das Rohstoff-Handicap im Export überwinden zu können, fordern sie den Bund auf, die Mittel für das Schoggigesetz beizubehalten. Dies ist eine sehr klare Botschaft an die Politik. Auch fordern die Unternehmen aber die Bauern heraus, mehr Milch zu tieferen Preisen zu produzieren.

"Ein Boot kommt nicht voran, wenn jeder auf seine Art rudert." Mit diesem Sprichwort eröffnete SMP-Präsident Peter Gfeller am 13. Januar 2011 anlässlich der Swiss'expo in Lausanne das zweite SMP Milchforum. Gfeller brachte damit die Situation des Schweizerischen Milchmarktes bildlich auf den Punkt. Wohl seien sich die Akteure einig, dass alle im selben Boot sässen. Doch wie man auf dem Schweizerischen Milchsee gemeinsam um die Klippen des drohenden Milchpreisabsturzes herumrudern wolle, darüber bestehe einfach keine Einigkeit. Zudem hätten etliche Marktakteure vermutlich noch gar nicht gemerkt, dass dem Boot so Schiffbruch drohe und keine Rettungsboote vorhanden seien. "Weiter sinkende Milchpreise treffen vor allem die Milchproduzenten am Lebensnerv, unsere wirtschaftlichen Aussichten sind entmutigend", fasste Gfeller die Situation der Milchbauern zusammen.

Vor diesem Hintergrund lud die SMP vier Referenten aus der Milchverarbeitungs- und Nahrungsmittelindustrie ein, um das Thema "Wertschöpfung für Schweizer Milch" von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Denn das Erzielen von Wertschöpfung ist ein zentraler Bereich, um heute und auch in Zukunft Geld verdienen zu können, auch mit Milch.

Jean-François Boudier, Direktor des französischen Milchverarbeiters Ingredia SA, setzt mit seinem Unternehmen auf die Herstellung von spezifischen Zusatzstoffen für die Nahrungsmittelindustrie. Beispielsweise aus Molke oder Buttermilch würden immer mehr verschiedene wertvolle Stoffe extrahiert, die unter anderem die Eigenschaften von verarbeiteten Lebensmitteln wie Fleischwaren, Glace oder Backwaren positiv beeinflussen. Für Hersteller von hoch veredelten Nahrungsmitteln lohne es sich deshalb, solche aus der Milch gewonnenen natürliche Zusatzstoffe in die Rezeptur aufzunehmen. Das Marktpotential sei riesig, Boudier schätzt ein jährliches Wachstum von fünf Prozent.

Auch Cremo habe diesen Markt mit hoher Wertschöpfung für sich entdeckt, sagte Paul-Albert Nobs, CEO vom Freiburger Milchverarbeiter Cremo. Er sei stolz darauf, in diesem Bereich auf eine strategische Partnerschaft mit Ingredia zählen zu können. Cremo habe aber auch in die anderen drei Standbeine Frischmilchprodukte, Butter und Käse investiert, in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 80 Millionen Franken. Damit wolle man, als Unternehmen in den Händen der Milchproduzenten, die Milchverarbeitung in der Westschweiz sichern und ausbauen. Erschwerend sei aber, dass Cremo nur rund 40 Prozent der Milchprodukte im geschützten Bereich vermarkten könne. Deshalb sei es notwendig, die Produktivität weiter zu steigern und die Verarbeitungskosten auf EU-Niveau zu senken. Ein konkurrenzfähiger Rohstoffpreis sei dafür eine zentrale Voraussetzung.

Der konkurrenzfähige Rohstoffpreis ist auch Damian Henzi, CEO der Hochdorf Gruppe, ein zentrales Anliegen für nachhaltigen Unternehmenserfolg. Doch Henzi nennt noch weitere Erfolgsfaktoren. Unter anderem ist er von den Trümpfen der Schweizer Milch wie Qualität, Vertrauen und Image überzeugt. Aber Henzi verschweigt auch nicht, dass er insbesondere bei den Milchproduzenten strukturelle Defizite ortet. Und: Seitens Politik verlange er langfristige Planungssicherheit. Sein Unternehmen sei mit 110 Millionen Kilogramm Milch stark vom Export abhängig. Man habe sich auf die Aufhebung der Milchkontingentierung eingestellt und deshalb sehe er bei einer Annahme der Motion Aebi die Exporterfolge gefährdet. "Das Exportpotential ist riesig. Aber wir brauchen dafür wettbewerbsfähige Rohstoffpreise und Herstellungskosten", sagte Henzi.

Daniel Bloch, CEO des traditionsreichen Chocolatier-Unternehmens Camille Bloch, kam ob der langjährigen partnerschaftlichen Beziehung zwischen den Milchbauern, Milchpulverherstellern und Schweizer Chocolatiers geradezu ins Schwärmen. Doch diese Freundschaft sei auf dem Prüfstand. Denn der gesättigte Inlandmarkt werde zunehmend mit günstiger Importschokolade bedrängt, Wachstum sei praktisch ausschliesslich im Export möglich. Und dies hänge stark davon ab, ob auch in Zukunft das Rohstoffhandicap ausgeglichen werden könnte. Deshalb brach Bloch eine Lanze für die konstruktive Zusammenarbeit bei der langfristigen Absicherung der Mittel für das Schoggigesetz: "Bei allen Eigeninteressen sollten die Milchproduzenten und Chocolatiers zumindest für den Exportteil der Milchschokolade gemeinsame Sache machen".

Trotz teilweisen Kontroversen waren sich viele Teilnehmer einig, dass es diesen Austausch braucht. Das nächste SMP Milchforum findet deshalb im Februar 2012 in der Zentralschweiz statt.

Aus­künf­te

Christoph Grosjean-Sommer
Kommunikation Wirtschaft und Politik
Telefon 031 359 53 18 / Mobile 079 645 81 36
E-Mail christoph.grosjean@swissmilk.ch

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