Medienmitteilung – Milchmarkt

SMP-Milch­fo­rum 2010 an der Swiss'ex­poDie BO Milch ist der Schlüs­sel zum ge­mein­sa­men Markt­er­folg

14.01.2010 – Trotz bester Qualität und Swissness sind die Produzentenpreise im Jahr 2009 drastisch gesunken. Wie kann nun mehr Stabilität und Verlässlichkeit im schweizerischen Milchmarkt erreicht werden, damit auch die Milchproduzenten vom Swissness-Mehrwert profitieren können? Mit der konsequenten Anwendung der Instrumente ist die Branchenorganisation Milch der Schlüssel zum gemeinsamen Markterfolg.

Schweizer Milch hat viele Trümpfe. Dies ist in der Branche und auch bei den Konsumentinnen und Konsumenten unbestritten. Dennoch gelingt es nicht, diese Trümpfe verstärkt in Geld, in Mehrwert umzusetzen. Zumindest wenn man das Jahr 2009 betrachtet. "Statt Wertschöpfung hat wegen der sinkenden Laden- und Produzentenpreise im Jahr 2009 eine gigantische Wertvernichtung stattgefunden", stellte Peter Gfeller, Präsident der Schweizer Milchproduzenten SMP am Milchforum in Lausanne fest. Wie kann aber in Zeiten von verschärftem Wettbewerb bei Verarbeitung und Handel und bei einer allfälligen weiteren Liberalisierung der Märkte wieder mehr Wertschöpfung erzielt werden, damit auch die Milchproduzenten vom Mehrwert ihrer Schweizer Milch profitieren können? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, hat die SMP am 14. Januar 2010 Spitzenvertreter der Schweizer Milchwirtschaft zum ersten Milchforum an die Swiss’expo nach Lausanne eingeladen.

Beschlüsse der BO Milch umsetzen
"Wir haben einen entscheidenden Qualitätsvorteil", fasste Peter Gfeller die Botschaften der Referenten zusammen. Doch damit diese Qualität auch wertbringend verkauft werden könne, brauche es weiterhin klare Rahmenbedingungen vom Staat, aber ebenso von der Branche selbst. Zufrieden zeigte sich Gfeller insbesondere mit der Unterstützung von Emmi, Nestlé und Coop, welche ihrerseits fordern, dass die Instrumente und Beschlüsse der Branchenorganisation konsequent umgesetzt würden. Kurzfristig sei dies das wirksamste Mittel, die Wertschöpfung bis zu den Produzenten zu verbessern, sagte Gfeller. Was die Ausgestaltung der mittel- und langfristigen Entwicklung betrifft, habe dieses Forum den Willen aufgezeigt, die gemeinsame Suche nach Lösungen unter den Spitzen der Milchwirtschaft zu verstärken.

GVO-Freiheit ist Mehrwert
"Die eingeschlagene Qualitätsstrategie können wir voll unterstützen", sagte Christian Guggisberg, Leiter Beschaffung Food bei Coop. Die Konsumentinnen sind bereit, für sichtbaren Mehrwert zu bezahlen. Insbesondere die GVO-Freiheit sei für Coop ein entscheidender Pluspunkt. Guggisberg warnte aber auch eindringlich vor weiterem Druck auf die Verkaufspreise und damit vor "deutschen Verhältnissen" im Schweizer Detailhandel. Um dann noch Wertschöpfung erzielen zu können, sei weiterhin eine klare Differenzierung der Leistungen mit einer Deklaration bis auf das Produkt notwendig.

Auch Vereinbarungen zur Menge treffen
"Die Butterproduktion lag im vergangenen Jahr 6‘600 Tonnen über den Absatzmöglichkeiten", nannte Urs Riedener, CEO der Emmi AG, das Hauptproblem. "Die BO Milch ist gefordert, für die Eindämmung der Überproduktion die Lösungen zu finden". Es reiche nicht, nur über die Preise zu sprechen. Man müsse zwingend auch die Mengen in die Diskussion einschliessen. Emmi versuche mit unterschiedlichen Konzepten, Mehrwert für die Milchproduzenten zu schaffen. Nebst den einzelnen Produkte-Innovationen habe Emmi aber ganz klar die Exportmärkte strategisch im Fokus. Das Exportvolumen entspreche bereits der Milchproduktion von etwa 2‘800 Betrieben, sagte Riedener.

Zwischen Überregulierung und Marktversagen
Auch für SMP-Direktor Albert Rösti ist die Anwendung der Instrumente der BO Milch zentral. Insbesondere die Umsetzung des dreistufigen Marktmodells erfordere jetzt, dass nicht nur der Preis sich am Preisindex orientiere, sondern auch der Mengenindex nun angewendet werde. "Wir kommen nicht darum herum die Mengen abzustufen, wenn wir die Marktsituation beruhigen wollen". Dies gelte besonders beim Blick auf die Butterlager. Rösti erwartet, dass die BO Milch nun den Mittelweg finde zwischen der einstigen Überregulierung durch den Bund, die als Politikversagen gewertet werden müsse, und dem Marktversagen, das durch eine schrankenlose Liberalisierung entstehe.

Marktliberalisierung – eine Herausforderung mit offenem Ausgang
Manfred Bötsch, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft, erwartet in den nächsten zwei drei Jahren relativ stabile Rahmenbedingungen. Denn gerade für die Milch sei die aktuelle Gesetzesgrundlage relativ unbestritten, und der Bundesrat wolle den jetzigen Zahlungsrahmen bis 2013 in etwa stabil halten. Die grosse Herausforderung stelle jedoch die Marktöffnung. Insbesondere ein allfälliger WTO-Abschluss und ein mögliches Agrarfreihandelsabkommen mit der EU würde die Ausgangslage stark verändern.

Die politischen Antworten will das Bundesamt für Landwirtschaft in drei Kernbereichen suchen: Für die Öffentlichen Güter mit den Direktzahlungen, für die Produktions- und Qualitätsführerschaft ist es die Qualitätsstrategie, für die knappen Ressourcen die Strategie zur Ressourcen-Effizienz. Verbindende Glieder dazwischen seien Massnahmen zum Schliessen der Stoffkreisläufe, die Massnahmen zum Kosten senken und schliesslich die Swissness zu stärken.

Weitere Liberalisierung ist eine Frage der Zeit
Für die Vertreter von Industrie und Handel ist es eine Frage der Zeit, wann die nächsten Liberalisierungsschritte kommen. "Wir wollen uns vorausschauend auf die Marktöffnung vorbereiten", sagte Roland Decorvet, CEO Nestlé Schweiz. Decorvet sprach sich klar für gute flankierende Massnahmen für die Milchproduzenten aus. Aber er zähle auch auf die Intelligenz der verschiedenen Akteure, lösungsorientiert miteinander zusammenzuarbeiten.

Milch bleibt trotz allem weltweit ein Wachstumsmarkt
"Der Milchmarkt bleibt weltweit ein Wachstumsmarkt", ist Monika Wohlfarth, CEO der Zentrale Milchmarkt Berichterstattung Bonn überzeugt. Die starken Preisrückgänge im letzten Jahr hätten zwar in einigen Ländern zu einem Produktionsrückgang geführt. "Aber insgesamt nimmt die Produktion zu, weil auch weltweit der Konsum zunimmt". Die Wachstumsmärkte ortet Wohlfahrt insbesondere beim Käse, bei den Milchprodukten und beim Vollmilchpulver.

Aus­künf­te

Christoph Grosjean-Sommer
Kommunkation Wirtschaft und Politik
Telefon 031 359 53 18 / Mobile 079 645 81 36
E-Mail christoph.grosjean@swissmilk.ch

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