Medienmitteilung – Milchmarkt

Neu­aus­rich­tung der BO MilchMen­gen­steue­rung nur mit po­li­ti­scher Un­ter­stüt­zung umsetzbar

06.09.2010 – Die SMP nimmt mit Ernüchterung und in grosser Sorge um die Zukunft der Schweizer Milchproduzenten von der angekündigten Neuausrichtung der Branchenorganisation Milch (BO Milch) Kenntnis. Mit der Abkehr vom bisherigen verursachergerechten Marktmodell soll auf jegliche Instrumente zur nationalen Abstimmung der Produktion an die Nachfrage verzichtet werden. Die anstehenden Probleme der Überproduktion und des Butterberges sind damit in keiner Weise gelöst. Die Gefahr von Preisdruck und Einkommensvernichtung besteht weiterhin. Entsprechend ist politische Unterstützung mit einer Annahme der Motion Aebi für die Milchproduzenten nötiger denn je.

Der Vorstand der Branchenorganisation Milch hat anlässlich seines Seminars vom 2./3. September Vorschläge ausgearbeitet, wie sich die BO Milch neu ausrichten will. Kernpunkt der angestrebten Neuausrichtung: Die BO Milch soll sich von der nationalen Mengensteuerung über das dreistufige Marktmodell verabschieden und die Mengen- und Preisstaffelung den einzelnen Marktakteuren überlassen.

Diese Strategie beinhaltet erhebliche Risiken. Insbesondere ist zu befürchten, dass

  • einzelbetrieblich die Milchproduktion weiter ausgedehnt wird, um Kosten zu senken;
  • die Ausdehnung der Milchmenge ohne entsprechenden Absatz die Preisspirale weiter nach unten drehen lässt;
  • die Milchpreise weiter nach unten abbrechen, weil die Menge in Segmenten mit schlechter Wertschöpfung zunimmt;
  • der Abbau von mehreren Tausend Tonnen Butterlager praktisch allein von den Milchproduzenten eines einzigen Verarbeiters getragen werden muss.

Die Folgen der dadurch weiter sinkenden Milchpreise auf die bereits sehr bescheidenen Einkommen der Milchproduzenten wären insgesamt verheerend.

Die BO Milch will sich zwar für vergleichbare Verträge einsetzen und damit zu Transparenz und Marktstabilität beitragen. Dies unterstützt die SMP. Die Abkehr vom bisherigen Marktmodell zeigt aber, dass der gemeinsame Nenner der Branchenakteure sehr gering ist. Darüber ist die SMP enttäuscht, da sie das bisherige verursachergerechte dreistufige Marktmodell stets als gangbaren Kompromiss der Branche unterstützt hat.

Mit dem Richtungswechsel des BO Milch-Vorstandes entsteht zwar Klarheit darüber, was die Mehrheit in der BO Milch will und was sie nicht will. Die grossen Risiken für die Produzenten mit der anhaltenden Überproduktion bei einem Butterlagerbestand von nahezu 10'000 Tonnen sind damit jedoch nicht gelöst. Ohne nationale Mengensteuerung wird die Produktion weiter steigen, mit zusätzlichem Druck auf die bereits heute zu tiefen Milchpreise.

Die SMP hat in den vergangenen Jahren mehrere Vorschläge, wie diese Risiken gemindert werden können, gemacht. Die SMP lehnt die Verantwortung für die Entwicklung auf dem Milchmarkt ab, solange diese Vorschläge von der Branche inkl. regionalen Produzentenorganisationen ignoriert werden.

Es ist offensichtlich, dass eine minimale Steuerung der Milchmenge nur mit politischem Flankenschutz möglich ist. Die Notwendigkeit einer Annahme und Umsetzung der Motion Aebi, als letzte Chance einer Mengensteuerung, wird somit durch den Richtungsentscheid der BO Milch mehr als bestätigt.

Aus­künf­te

Albert Rösti
Direktor SMP
Telefon 031 359 52 11 / Mobile 079 255 88 56
E-Mail albert.roesti@swissmilk.ch

Christoph Grosjean-Sommer
Kommunikation Wirtschaft und Politik
Telefon 031 359 53 18 / Mobile 079 645 81 36
E-Mail christoph.grosjean@swissmilk.ch

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Neuausrichtung der BO Milch (PDF, 65 KB)
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