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Lak­to­s­ein­to­le­ranzMilch­zu­cke­run­ver­träg­lich­keit

Einen Verdacht auf Laktoseintoleranz sollten Sie ernst nehmen und mit einer Fachperson abklären. Wir haben praktische Tipps und Informationen rund um das Thema Milchzuckerunverträglichkeit für Sie zusammengestellt.

Gut zu wissen:

  • Laktoseintoleranz ist keine Krankheit.
  • Ein genereller Verzicht auf Milch und Milchprodukte ist nicht sinnvoll. 
  • Sprechen Sie mit einer Fachperson, meiden Sie Selbsttests.

Was ist Lak­to­s­ein­to­le­ranz?

Die Laktoseintoleranz ist keine Krankheit, dennoch leiden manche Betroffene sehr. Bei den meisten Betroffenen handelt es sich um die primäre Laktoseintoleranz. Sie beginnt im jungen Erwachsenenalter. Dabei lässt die Produktion des Verdauungsenzyms Laktase langsam nach. Manchmal tritt eine Laktoseintoleranz auch vorübergehend auf. Zum Beispiel nach Darmoperationen oder bei entzündlichen Darmerkrankungen. 

Fragen, Antworten und Tipps zur Milch­zu­cke­run­ver­träg­lich­keit

Wahr oder unwahr?

Stimmt es, dass Milchzuckerverträglichkeit "erlernt" ist?

Stimmt. Mit Beginn des Ackerbaus und der Viehzucht vor etwa 7500 Jahren begannen Menschen, Milch zu konsumieren und erkannten schnell ihre Vorteile. Über Generationen führte dies zu einer genetischen Anpassung: Menschen bildeten auch als Erwachsene genügend Laktase - sie wurden laktosetolerant. Ihren Ursprung soll diese Entwicklung im heutigen Gebiet von Ungarn, Österreich und der Slowakei haben. Von dort hat sich die Verträglichkeit über ganz Mittel- und Nordeuropa ausgebreitet.

Lak­to­s­ein­to­le­ranz und Geografie

Milchwirtschaft und -verträglichkeit hängen zusammen.

Besonders verbreitet ist die Verträglichkeit bis heute dort, wo die Milchwirtschaft blüht und Milch zur Kultur gehört. In Ländern, in denen die Milchwirtschaft wenig verbreitet ist, ist auch die Verträglichkeit des Milchzuckers geringer - hier haben noch viele Menschen eine Laktoseintoleranz. Das heisst aber nicht, dass keine Milchprodukte konsumiert werden. Es stehen dann fermentierte Milchprodukte wie Jogurt und Käse auf dem Tisch.

Lak­to­s­ein­to­le­ranz was tun?

Verträgliche Milchprodukte

Um Ihre Ernährung anzupassen, suchen Sie sich Hilfe bei einer Fachperson. Sie hilft Ihnen, die individuelle verträgliche Menge an Milchzucker herauszufinden. Je nach persönlicher Toleranzgrenze können Sie weiterhin Milchprodukte mit wenig Milchzucker konsumieren. Zusammen mit eiweiss- und fetthaltigen Lebensmitteln sind sie zudem besser verdaulich.

Finger weg vom Selbst­test

Tests aus dem Internet oder von Apotheken identifizieren oft eine Reihe von Lebensmitteln, auf die die Person gar nicht reagiert. Die Tests basieren auf dem Nachweis von IgG/IgG4-Antikörpern. Die Bildung von IgG gegen Lebensmittel ist eine natürliche Reaktion des Körpers, aber kein Nachweis für eine Allergie oder Intoleranz. Ungeeignet für eine Diagnose sind auch Haaranalysen, Pendel, Bioresonanz, Biopsien und Kinesiologie.

Was ist IgG?

Immunglobulin G (IgG) sind Antikörper, die gegen Bakterien und Viren wirken. IgG-Antikörper gegen Nahrungsmittel entsprechen einer normalen Immunantwort, identifizieren jedoch keine krankmachenden Vorgänge.

Haben Sie Fragen?

Susann Wit­ten­berg

Oecotrophologin BSc
Telefon 031 359 57 57
ernaehrungsberatung@swissmilk.ch

Regula Thut Borner

dipl. Ernährungsberaterin HF
Telefon 031 359 57 58
ernaehrungsberatung@swissmilk.ch

Nahrungsmittelunverträglichkeiten: 

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