Nein, voll daneben. Es ist zwar nicht mehr erlaubt, in Restaurants zu rauchen, und deshalb bleibt dem Raucher in den meisten Fällen nichts anderes übrig. Aber sein Gegenüber allein am Tisch sitzen zu lassen, ist unhöflich. Wer nicht warten möchte, bis man gemeinsam das Lokal verlässt, der kann seine Begleitung fragen, ob sie kurz mitkommen möchte.
Knigge
Tipps für gutes Benehmen
Knigge-Tipps: Benimm-Regeln für jede Situation
Duzen oder Siezen? Wer bezahlt im Restaurant? Spaghetti mit dem Löffel essen? Wer die Regeln kennt, tritt selbstsicherer auf und macht auch in heiklen Situationen eine gute Falle. Mit unseren Knigge-Tipps sind Sie immer auf der sicheren Seite.
Darf man auf dem Balkon grillieren?
Ja, meistens. Die Regel ist in der Hausordnung festgelegt. Damit die Freiluftoase nicht zur Kampfzone wird, solltest du auf diese vorher einen kurzen Blick werfen. Auch lohnt es sich, beim Anfeuern auf eine kleine Rauchentwicklung zu achten – Lavasteine, Gas- und Elektrogrill entwickeln weniger Rauch als Holzkohlegrill. Wenn du eine Party schmeisst, lade deine Nachbarn ein oder besteche sie mit einem feinem Getränk und der Information, dass es etwas lauter werden könnte. Grundsätzlich gilt: Ab 22.00 Uhr ist Nachtruhe. Ab dann darfst du dich nur noch in Zimmerlautstärke unterhalten oder Musik hören. Das bedeutet bei mehreren Gästen, ihr flüstert und setzt euch Kopfhörer auf.
Im Restaurant
Die Grundregel lautet: Wenn ein Getränk oder Shake mit einem Strohhalm angeboten wird, ist dieser in der Regel dafür da, um benutzt zu werden. Die Ohren seiner Mitmenschen sollte man schonen und auf störende Sauggeräusche verzichten. Einschlägige Männermagazine behaupten ausserdem, ein richtiger Mann trinkt nicht mit einem Strohhalm. Die Definition, was ein "richtiger" Mann ist, überlassen wir den Lesern.
In der Schweiz ist weder die Höhe des Trinkgelds festgelegt noch muss man Trinkgeld geben. Aber es macht einen sehr knauserigen Eindruck, es nicht zu tun. Trinkgeld ist ein Dankeschön für gute und freundliche Bedienung. Wer mit dem Service zufrieden war, gibt 5 bis 10 Prozent des Rechnungsbetrags als Trinkgeld dazu. Wer mehr geben möchte – nur zu! Das wird sich beim nächsten Besuch auszahlen.
Denn eines ist gewiss: Das Personal vergisst nie! Und sollte der Service wirklich lausig gewesen sein, darf man das mit einem mageren Zustupf auch kundtun.
Es gibt viele krasse Anstandsregeln, Kirschstein-Schlucken gehört nicht dazu. Natürlich darf ein Kirschstein ausgespuckt werden. Aber bitte diskret. Zu Tisch spuckt man den Stein auf eine Gabel oder auf einen Löffel und legt ihn am Tellerrand ab. Kirschsteine gehören weder in den Aschenbecher noch jovial in einen Abfalleimer oder vor die Füsse gespuckt.
Grundsätzlich gilt für alle Steine: Zuerst in die Hand, dann in den Abfall. In diesen Fällen sind Papiertaschentücher ganz nützlich.
Ja, sicher. Besteck ist ein Mittel der Zeichensprache und dient international der nonverbalen Verständigung darüber, ob man noch etwas essen möchte oder nicht. Offenes Besteck – Messer und Gabel kreuzen sich mit den Spitzen – bedeutet: "Ich möchte noch mehr essen, bitte nachlegen." Geschlossenes Besteck – Messer und Gabel liegen parallel – heisst: "Ich bin fertig."
Nach dieser Zeichensprache richtet sich auch das Bedienungspersonal.
Streng nach Knigge ist Auftunken nicht erlaubt. Es wird empfohlen, die Speisen so oft wie möglich mit der Sauce zu vereinen, damit wenig übrig bleibt. In einem gehobenen Restaurant wird oft ein Gourmetlöffel zum Auslöffeln der Sauce gereicht. Doch auch darin sehen manche Hüter des guten Benehmens eher eine Geldmacherei der Besteckindustrie als eine Lösung. Also doch der Griff zum Brot?
In der italienischen und der französischen Gastronomie ganz sicher. Dort ist es sogar üblich, die Sauce mit dem Brot aufzutunken. Schliesslich steckt in der Sauce meist sehr viel Arbeit und man versteht es als Kompliment an die Küche, die Sauce bis zum letzten Tropfen zu geniessen. Was nicht heisst, dass man den Teller total sauber wischt. Das sollte man in allen Ländern der Geschirrspülmaschine überlassen. Na dann, ab zum Italiener.
Streng nach Knigge – nein. Ausser: Eine mit Zitronenwasser gefüllte Fingerschale steht bereit oder die knusprigen Beinchen tragen Papiermanschetten. Das gesunde Volksempfinden neigt allerdings zur Annahme, es sei in Ordnung, auch im Restaurant das Poulet in die Hand zu nehmen.
Übrigens: Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wusste dies nicht. Sie wurde am Bundespresseball von einem Journalisten dabei ertappt, wie sie das Hähnchenbein genussvoll abnagte.
In der Schweiz ist es in Ordnung, Spaghetti mit dem Löffel zu essen. Vor allem, da in vielen Restaurants der Löffel gleich mitserviert wird. In Italien hingegen geht das gar nicht. Wer in einem Restaurant seine Spaghetti stilvoll verzehren will, muss die Kunst des Aufrollens beherrschen. Spaghetti einschlürfen, abbeissen oder mit dem Messer schneiden sind absolute No-goes.
Der Löffel als Hilfe wurde übrigens Anfang der 60er-Jahre in der Schweiz üblich, weil viele Eidgenossen mit den langen "Nüdeli" nicht zurechtkamen.
Ja, das ist in Ordnung. Der Geschlechterkampf ist passé. Früher galt es als unschicklich, wenn eine Dame einen Herrn einladen wollte. Heute ist es allerdings oft so, dass nach langem Hin und Her dann doch der Mann bezahlt. Für Einladungen im Restaurant gilt: Am besten man lädt seinen Gast von Anfang an offiziell ein, so sind die Fronten geklärt.
Vorsicht vor feuchtfröhlichen Momenten: Bevor man die Spendierhosen anzieht, werfen Sie einen Blick ins Geldbeutelchen. Zurückkrebsen ist peinlich.
Der Knigge sagt: Es ist unanständig, das Handy im Restaurant auf den Tisch zu legen. Schliesslich sind wir nicht mehr im wilden Westen, wo die Knarre beim Pokern auf den Tisch gehörte. Man signalisiert damit, dass ein Anruf wichtiger ist als das Gegenüber. Erwartet man ausnahmsweise einen wirklich wichtigen Anruf, stellt man das Handy auf Vibration und trägt es in einer Tasche am Körper. So stört der Klingelton niemanden im Lokal.
Übrigens, zum Telefonieren entschuldigt man sich und geht vor die Tür.
Nur in Italien betritt die Frau zuerst das Lokal, weil man ihr zuerst die Aufmerksamkeit zukommen lassen möchte. Eine etwas weniger charmante Begründung liegt für den deutschsprachigen Raum vor: Hier ging und geht immer der Mann vor. Denn in früheren Zeiten war beim Betreten eines Gasthofes Vorsicht angebracht. Der Mann konnte sich so als Erstes versichern, ob das Gasthaus auch ein Ort für eine Dame war.
Aber: Auf dem Weg zum Tisch lässt der Herr der Frau wie üblich immer den Vortritt.
Ja, man soll sogar. Sprintrekorde zum Buffet und hoch aufgetürmte Speisen auf dem Teller sind natürlich tabu. Klug beraten ist, wer vor dem Zulangen eine Runde dreht, um sich zu informieren, was es alles gibt. Dann ja nicht vordrängeln, sondern geduldig am Ende der Schlange anstehen. Wenn man an der Reihe ist, den Teller nur mit kleinen Portionen beladen; man darf ruhig mehrmals zum Buffet gehen und sich neu eindecken – denn dafür ist ein Buffet schliesslich da.
Tisch-Knigge für private Anlässe
Von müssen kann keine Rede sein. Das klirrende Anstossen mit Gläsern ist nur in einer überschaubaren Runde angebracht. Ab einer Runde von ca. 10 Personen beschränkt man sich besser aufs Zuprosten. Der Blickkontakt gehört aber immer unbedingt dazu. Übrigens: Ein Zuprosten mit alkoholfreien Getränken ist keineswegs ein Stilbruch.
Sorry, Fans, aber das geht nicht. Eine Einladung zum Essen ist dafür gedacht, dass man sich seinen Gästen widmet. Egal, ob gerade eine WM-Übertragung oder DER Lieblingsfilm läuft. Ein Gastgeber oder auch ein Gast, der während des Essens laufend nervös zum Fernseher schielt oder eine Unterhaltung mit einem Aufschrei erstarren lässt, macht auch Wohlgesinnte unfroh.
Es wird dann einfach zu deutlich, was beziehungsweise wer wichtiger ist – und das sind in diesem Fall nicht die Gäste. Wenn schon Essen und Fussball, dann laden Sie explizit zum Fussball-Dinner ein. So wissen alle, woran sie sind.
Nein, das ist nicht in Ordnung. Wer eingeladen wird, sollte zügig zu- oder absagen. Langes Abwägen, wo man nun lieber hingeht, und dann kurz vorher absagen oder sich gar nicht melden, ist stillos. Ihr Gastgeber kann nämlich nicht planen und sieht sich unter Umständen noch gezwungen, Ihnen nachzutelefonieren.
Nein, das ist nicht in Ordnung. Ausser die Schuhe wären total verdreckt. Schliesslich haben sich Ihre Gäste sicher überlegt, welche Schuhe sie zur entsprechenden Kleidung tragen wollen. Es sieht auch komisch aus, wenn Ihre Gäste auf Seidenstrümpfen oder bunten Männersocken durch die Wohnung rutschen. Übrigens: Das Anbieten von kuschligen Hausschuhen wäre derselbe Fauxpas.
Knigge-Regeln für die Gesellschaft
Nicht immer ist es die ältere Person, welche der jüngeren das Du anbietet. In aller Regel ist es die Frau, die dem Mann das Du anbietet, unabhängig ihres Alters. Es sind aber Situationen denkbar, in denen Ausnahmen von dieser Regel gemacht werden sollten: Wenn die Frau sehr jung und der Mann sehr würdig oder alt ist. Und im beruflichen Umgang steht das Recht nur dem jeweiligen Vorgesetzten zu, das Du anzubieten.
Bei Frauen untereinander gilt wieder das Recht der Älteren.
Nein, voll daneben. Gegen eine weisse Bluse oder eine Jacke hat niemand etwas einzuwenden, aber wenn die Braut in Weiss heiratet, gehört ihr allein diese Farbe und weisse Kleidchen sind tabu. Übrigens, das gilt auch für Miniröcke und zu grosse Dekolletés. Egal, wie modern sie gerade sind. Grundsätzlich gilt: nie der Braut die Show stehlen.
Küssen beim Anstossen finden manche „so herzig“, es gehört allerdings nicht zu guten Tischmanieren und Trinksitten. Es ist auch manchen Zuschauern eurer Zärtlichkeiten peinlich. Im privaten Rahmen bei sich zu Hause oder bei Freunden mag das Bussi okay sein, aber in Restaurants oder an geschäftlichen, gesellschaftlichen und offiziellen Einladungen ist das Küssen beim Anstossen tabu.
Dürfen schon, nur solltest du dir bewusst sein, dass du beobachtet wirst. Ein Firmenfest ist keine Privatparty unter besten Freunden. Zu viel Alkohol, sexy Outfits, flirten oder lautstarke Bekundungen deiner neuen Duzfreundschaften sorgen nicht für bessere Stimmung, sondern einzig für eine brodelnde Gerüchteküche.
Ja. Es zeugt vielleicht nicht von allzu viel Fantasie, aber es ist immer noch besser, als ein Geschenk zu machen, das nicht gut ankommt. Manchmal ist es übrigens ganz nützlich, sich während des Jahres ab und an einmal einen Wunsch zu notieren. Dann können Sie doch noch mit einer Überraschung trumpfen.
Nein, Ehrlichkeit ist nicht angesagt. Der Knigge meint: "Der Beschenkte wird seine etwaige Enttäuschung tunlichst verbergen." Sprich: Da muss man einfach durch. Was der Knigge aber nicht bemängelt, ist das, was danach geschieht. Verschwindet das unliebsame Geschenk in den Tiefen einer Mülltonne? Tauscht man es um? Verschenkt man es an einen unbeliebten Bekannten?Sie können damit auch etwas Sinnvolles tun.
Nein, das ist nicht in Ordnung. Beim Nasenputzen sollte man diskret vorgehen. Das heisst: Egal, wo man sich befindet, weder ausgiebig langes Schnäuzen noch ein virales Trompetenkonzert ist angesagt. Auf gar keinen Fall darf man hinterher das Resultat inspizieren. Auch cowboymässiges Rotzen in den Schnee ist ein No-Go.
Höflich ist es, seinen Kopf von anderen Menschen abzuwenden, während man die Nase vorsichtig und möglichst leise putzt. Aber Achtung, bevor Sie aus Platzmangel Ihrem Nachbarn auf den Ärmel tropfen, tupfen Sie die Nase kurz ab, warten Sie, bis Sie vom Lift herunter sind oder gehen Sie auf die Toilette. Übrigens, in Asien ist das Nasenputzen in der Öffentlichkeit ein grosser Fauxpas.
Der Knigge sagt: Nein! Nackte Oberkörper oder sexy Pos gehören weder ins Restaurant noch an die Bar einer Badi oder eines Beach-Clubs. Solange man sich nicht hinsetzt, reicht ein Hemdchen oder T-Shirt für die Beach- und die Badibar. Sobald man seinen Allerwertesten platziert – ob zum Essen oder Trinken –, gehören zusätzlich Shorts oder ein Wickeltuch zum heissen Outfit.
Übrigens führt man seine Müskelchen auch nicht durch eine Hotellobby spazieren, um nach dem Swimming-Pool zu fragen.
Auch wenn es eine Person betrifft, darf man seine Meinung sachlich bekunden und begründen. Das kann zu interessanten Diskussionen führen. Jemanden auf Facebook oder in einem Blog zu beschimpfen, ist völlig daneben. Man lebt auch seine unbefriedigten Wünsche nach Hasstiraden und Wutausbrüchen nicht online aus, nur weil man im wirklichen Leben keine Freunde hat oder gerade schlecht gelaunt ist. Das Internet vergisst nie!
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