Die Milch hat in der Schweiz Tradition und daher sowohl eine Geschichte wie auch eine Zukunft. Wir laden Sie ein zu einem Spaziergang.

Geschichten zur Milchgeschichte
Am Wert der Geschichte scheiden sich zwar die Geister, spannende Geschichten aber lieben alle! Was haben die letzten 100 Jahre Schweizer Milchproduktion zu bieten? Geschichten über Geschichten…

Zum Beispiel

Milch für die Stadt

Wie kommt die Milch in die Stadt? Vor 100 Jahren war das eine wichtige Frage, welche die Menschen in den rasch wachsenden Städten beschäftigte. Die Lösung war für die Städter bequem: «Chüejer» und «Sennen» der umliegenden Bauernhöfe lieferten täglich Frischmilch direkt in jede Küche. Aus diesem Zustelldienst entwickelte sich der Beruf des Milchhändlers. Wegwerf-Verpackungen, die Verbreitung des Kühlschranks und der Aufschwung des Detailhandels machten in den 1960er Jahren dem Milchmann jedoch schärfste Konkurrenz. So weiss heute jedes Kind, woher die Milch kommt: Aus dem Kühlregal des Grossverteilers… oder etwa nicht?

Milchschwemme und Rationierung

Zu viel und zu wenig liegen im Milchmarkt nahe beieinander, was in freien Märkten zu grossen Preisschwankungen führt. Dieses Auf und Ab machte mal die Bauern zu Gewinnern, mal die Konsumentinnen und Konsumenten, lieferte aber ununterbrochen Zündstoff für soziale Spannungen zwischen Bauern und Arbeitern. Auch deshalb hat der Staat in den letzten 100 Jahren mehrmals stark und dauerhaft in die Milchwirtschaft eingegriffen. So setzte der Bundesrat Übernahmepreise («Milchgeld» für die Bauern) und Verkaufspreise fest und wachte strikte über Produktion (Milchkontingentierung), Verarbeitung, Handel und Konsum (Rationierung während der Weltkriege). Doch mit dieser staatlichen Preis- und Absatzgarantie ist seit 1999 Schluss, und 2009 wird auch die Milchkontingentierung nur mehr Geschichte sein. Freier Markt ist angesagt!

Zum Beispiel: Königreich der Käse

Vermutlich gibt es Käse seit die Steinzeitmenschen den Auerochsen zum Haustier gezähmt hatten. Im Mittelalter waren es vor allem die Klöster, welche nicht nur die Ländereien und Milchkühe besassen, sondern auch das Wissen und die Zeit zum Pröbeln hatten. Der Tête-de-Moine-Käse ist ein Zeugnis dafür. In den letzten 100 Jahren stritten sich aber Emmentaler und Greyerzer um die Gunst der Konsumentinnen und Konsumenten. Mit doppeltem Erfolg: Die Schweizer essen heute am liebsten Le Gruyère AOC, während Emmentaler Switzerland AOC seit über 100 Jahren der beliebteste Milch-Exportartikel ist. Doch neben diesen beiden Königskäsen gibt es über 450 weitere Sorten, die im Schweizer Käsereich nach der Krone greifen wollen.

Milchpropaganda

Das Wort «Milchpropaganda» schmeckt heute ziemlich antiquiert. Nicht so vor 85 Jahren. Damals bedeutete «Propaganda» einfach allgemeine Produktwerbung, während Reklame für die Werbetätigkeit einer Firma stand. 1922 hängte die Schweizer Milchwirtschaft das erste Strassenplakat aus: «Trinkt Milch! Esst schweizerische Milchprodukte!». Später in den Zeiten des Überflusses wollte die Werbung nicht mehr den Produktnutzen vermitteln, sondern Hoffnungen und Wünsche der Konsumentinnen und Konsumenten ansprechen. So verschwanden die Bauern ab etwa 1950 fast vollständig aus der Werbung. Angepriesen wurden nun die Zusatznutzen der Produkte: Sicherheit, Ruhe und Gelassenheit – Eigenschaften, die man im rasant aufkommenden Strassenverkehr besonders gut gebrauchen konnte. In den 1970er Jahren rückten dann Sujets rund um Sport und Musik in den Vordergrund, jetzt ging es um die Inszenierung des Milchtrinkens als Event. Der Fokus der Werbebotschaft richtete sich schon früh und immer wieder auch auf den Konsum im öffentlichen Raum. Aus der Milch wurde kurzerhand Festmilch, Fabrikmilch, Büromilch, Bahnhofsmilch, Ausflugsmilch, Manövermilch oder Bademilch… Zwischen etwa 1930 und 1970 war auch die Pausenmilch äusserst beliebt, denn gerade in Zeiten des Mangels sollte dadurch jedes Kind täglich in den Genuss von frischer Milch kommen. Seit 1993 ist die Kuh Lovely der Werbestar für Schweizer Milch – als Quelle des Ursprungs von Milch wie auch als Quelle vergnüglichen Schmunzelns.

Vom ZVSM zur SMP

Die Milchwirtschaft spielte im Grasland Schweiz seit jeher eine wichtige Rolle. Im Jahr 1907 schlossen sich die regionalen Milchproduzentenorganisationen, bedingt durch wirtschaftlich schwierige Zeiten, als Selbsthilfeorganisation zusammen und gründeten den Zentralverband schweizerischer Milchproduzenten ZVSM. Der nationale Dachverband wurde in der Folge eine der wichtigsten bäuerlichen Organisationen und blickt heute auf eine bedeutende und oft auch turbulente Geschichte zurück. In den ersten Jahren hat der ZVSM die wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder vertreten und insbesondere für einen guten Milchpreis gekämpft. Nachdem er im ersten Weltkrieg vom Bund den Auftrag erhielt, die Landesversorgung mit Milch sicherzustellen, wurde der ZVSM in den folgenden Jahrzehnten vorwiegend zum Vollzugsorgan für die staatliche Milchmarktregulierung und zum Kämpfer für einen möglichst hohen Milchpreis und eine möglichst grosse Milchmenge. 1999 wandelte sich der ZVSM im Zuge der Agrarreformen zur Organisation der Schweizer Milchproduzenten SMP. Sie vertritt heute, wie schon zu Beginn ihrer Geschichte, die Interessen der Mitglieder und engagiert sich dafür, dass die Milchproduzenten in einem liberalisierten Milchmarkt echte berufliche Zukunftsperspektiven haben.

Milchgeschichten der Zukunft

Wird die Milch ihre starke Stellung auf dem Speisezettel der Schweizerinnen und Schweizer behaupten? Wird die Milchwirtschaft weiterhin Geschichte schreiben? Was überhaupt ist in Zukunft wichtig?

Konsumbedürfnisse befriedigen

Die wirtschaftliche und politische Schweiz sieht im Jahr 2007 völlig anders aus als vor 100 Jahren. Die Werthaltung des Staates, der Steuerzahler und der Konsumenten gegenüber der Milch- und Landwirtschaft hat sich verändert, man ist kritischer und anspruchsvoller. Milchkonsum ist heute weit mehr als die Versorgung der Bevölkerung mit einem wertvollen Grundnahrungsmittel. Die Konsumentinnen erkennen, dass Milchprodukte nicht nur Nährstoffe enthalten, sondern auch viele Zusatznutzen bieten. Man denke beispielsweise an den hohen Kalziumgehalt, an Jogurt mit gesundheitsfördernden Bakterien oder an den schnellen Energy Drink für unterwegs. Denn Essen soll nicht mehr nur stark, sondern auch schön, schlank und gesund machen.

Emotionale Mehrwerte schaffen

Milchkonsum kann aber auch in anderer Hinsicht ein gutes Gefühl geben und glücklich machen. Umweltgerechte Produktion, artgerechte Tierhaltung, schonender Umgang mit Boden, Wasser und Luft, Sicherheit in der Produktionskette durch Normen und Qualitätsprüfungen erhalten in unserer modernen Konsum-, Vergnügungs- und Wegwerfgesellschaft einen immer grösseren Stellenwert. Entsprechende Produktekennzeichnungen und Labels sind daher logische Antworten des Marktes auf diese Nachfrage. Denn ein gutes Gewissen und die Befriedigung der emotionalen Bedürfnisse über das reine Produkt hinaus werden für viele in Zeiten des Überflusses zunehmend wichtig.

Unsere Jubiläums-broschüre können Sie hier als PDF-Datei herunterladen oder gratis bei uns bestellen.

PDF herunterladen (8 MB)

Broschüre bestellen

Wundermilch

„Milch für alle – Bilder, Dokumente und Analysen zur Milchwirtschaft und Milchpolitik in der Schweiz im
20. Jahrhundert“
Bestellen…

 

Das grosse Jubiläumsbuch